Robert Gollwitzer

Seelsorger. Berater. Aktivist. - Politisch. Katholisch. Leidenschaftlich.

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Nur ewig Gestrige?

Posted on May 31, 2017 at 12:25 AM

"In der AfD sind viele Ewig-Gestrige!" - Tatsächlich? Auf welche Fakten bezieht man sich da? Ich selbst bin in der AfD (wenn auch nicht sonderlich aktiv...) und war kürzlich bei einem Landesparteitag dabei. Dort habe ich keinen einzigen dieser Spezies getroffen - wohl aber einige hoch intelligente und ausgezeichnete Redebeiträge hören dürfen!

Nazis und Anti-Semiten gibt es überall. Mir machen aber nicht die "Ewig-Gestrigen" Sorge, sondern die Art von Anti-Semitismus, die sich bei den "etablierten" Parteien manchmal hinter einem Anti-Zionismus und einer Anti-Israel-Haltung versteckt - und doch nichts anderes als blanker Judenhass ist. Da höre ich allerdings wenig Einwände...

Zentralrat der Juden vs. AfD

Posted on April 24, 2017 at 5:50 AM

Der Zentralrat der Juden hat wieder einmal gegen die AfD Stellung genommen.

 

Da redet Zentralratspräsident Josef Schuster laut der "Welt" wieder von "Rechtspopulisten" - ein Ausdruck, den viele gern in den Mund nehmen und keiner eigentlich so genau weiß, was er bedeutet. Abgesehen davon ist jede politische Partei - und manche Organisation - per se "populistisch". Er redet von "chauvinistisch-nationalistischem Denken", das wieder "salonfähig" gemacht werden soll. Ein paar Fremdwörter geben der eigenen Meinung gleich etwas mehr Gewicht, oder? Wenn Sie damit meinen, dass wir (ja, ich gehöre auch dieser unsäglichen Partei an!) unser Vaterland lieben, dann kann ich Ihnen nur von Herzem zustimmen! Wir Deutschen haben uns lange genug unserer Nationalität geschämt. Wenn ich mir die - berechtigte! - Liebe zum Staat Israel ansehe, die dort täglich zur Schau gestellt wird, kann das doch gar nicht so schlecht sein.

 

Gegen nationale und religiöse Minderheiten würden wir "ohne Skrupel und Verantwortungsbewußtstein" Stimmung machen. Hier wird uns von vorneherein eine unlautere Absicht unterstellt - was ich als verwerflich (da völlig unbegründet) und schlichtweg unverschämt ansehe. Weil wir nicht in den verantwortungslosen politisch korrekten Chorus einstimmen, man solle doch alle Türen weit aufmachen für Flüchtlinge? Damit ist weder Deutschland und schon gar nicht den Flüchtlingen geholfen. Wirklich wirksame Hilfe kann nur vor Ort geleistet werden. Weil wir uns gegen die Islamisierung Deutschlands aussprechen? Das ist eine mehr als berechtigte Sorge. Erneut darf ich auf Israel verweisen: man kann hier wohl schwerlich von einer friedlichen Koexistenz von Islam und Judentum sprechen. Ach ja, manch einer mag nun das ewige Mantra von "nicht alle Moslems sind Terroristen" anführen. Sind sie nicht - und das haben wir auch nie gesagt. Das Problem ist aber nicht nur der radikale Teil des Islams (weltweit immerhin einige Millionen!), sondern scheint mit dem Islam an sich zu tun zu haben. Natürlich haben wir zu recht die Religionsfreiheit und mir liegt es fern, hier irgendjemand aufgrund seiner Religion zu beleidigen. Wo aber ist das mehrheitlich muslimische Land, das nur annähernd Menschenrechte wie in einer westlichen - christlich geprägten - Demokratie hat? Ich kenne keines.

 

Ich liebe Moslems - erlaube mir aber gerade deshalb Kritik am Islam. Dies ist auch nicht rassistisch, da eine Religionszugehörigkeit keine Rasse begründet.

 

Wir würden uns nicht "vom rechten Rand" abgrenzen und auch antisemitischen Tendenzen unserer Mitglieder nicht klar entgegentreten. In welchem Teil unseres Programms haben wir irgendetwas Antisemitisches? Ich kenne keinen. Wenn Sie damit private Äußerungen einiger Mitglieder meinen - leider gibt es solche Menschen. Es gibt sie in jeder Partei und überall. Glauben Sie mir, uns ärgert das noch viel mehr als Otto Normalverbraucher - und viele von uns haben hierzu Stellung bezogen. Was mich aber noch viel mehr ärgert, ist der politisch korrekte, linksliberale Antisemitismus, der sich hinter einem Anti-Zionismus und hinter einer Unterstützung palästinensischer Terroristen verbirgt. Hierzu sich klar zu äußern und eine Stellungnahme der jeweiligen Parteien zu verlangen, wäre wohll angebrachter als einzelne Idioten zu verfolgen und deren dummes Geschwätz anderen anzulasten.

Wissen Sie, mit der Freiheit ist es so eine Sache - die endet genau dort, wo die Freiheit des anderen beginnt.

 

So, Sie hoffen darauf, dass vielen Anhängern der AfD die Augen geöffnet worden seien und „sie sich von den Rechtspopulisten wieder abwenden“. Die jüdische Gemeinschaft würde auf die übrigen politischen Parteien setzen. Sie raten der Zivilgesellschaft, sich uns entgegenzustellen. Das ist arrogant, besserwisserisch und zutiefst undemokratisch. Meinen Sie wirklich, die jüdische Gemeinschaft - und die Deutschen allgemein - hätten Ihren Rat nötig oder würden darauf auch nur im geringsten Wert legen? Freie, erwachsene und mündige Bürgerinnen und Bürger sind durchaus in der Lage, selbst zu entscheiden. Sich mit Ihrer privaten Meinung hinter Ihrer Religion und Ihrem Posten darin zu verstecken, ist unehrenhaft und spricht eigentlich für sich. Wenn Sie sich die Liste der Programmpunkte anderer Parteien ansehen, werden Sie bestimmt Aussagen finden, die dem jüdischen Glauben widersprechen. Offenbar haben Sie aber trotzdem kein Problem damit, Werbung für sie zu machen.

 

Den Vorwurf, wir würden verantwortungslos handeln, möchte ich Ihnen hiermit gerne zurück geben. Ihre Position gebietet etwas mehr als das, was Sie hier laut der "Welt" von sich gegeben haben.

 

Ach ja, falls Sie mich auch für einen Anti-Semiten halten: Ich muss mich nicht vor Ihnen rechtfertigen. Ich tue dies aber für die Leser. Ich bin seit vielen Jahren dem Staat Israel und dem jüdischen Volk mit Wort und Tat in vielfältiger Weise verbunden. Ich habe mit Israelis gelebt, spreche etwas Hebräisch und habe einige jüdische Freunde (aus Deutschland und Israel). Ich bin dem Anti-Semitismus immer entschieden entgegengetreten und werde dies auch weiter tun. Sie dürfen davon ausgehen, dass ich dies auch und vor allem in unserer Partei tun werde, da mir etwas an ihr liegt. Übrigens sind einige der europäischen Politiker, die immer als "rechtspopulistisch" beschimpft werden, sehr Israel-freundlich (etwa Geert Wilders).

 

Ich weiß, dass Sie nicht die Meinung aller hier in Deutschland lebenden Juden wiedergeben. Das erfüllt mich mit Freude und Hoffnung. Ich habe das jüdische Volk und den Staat Israel immer geliebt und daran wird sich auch nichts ändern. Das heißt aber keineswegs, dass ich einzelne Jüdinnen und Juden nicht kritisieren darf und werde. Das wäre im übrigen auch eine Form des Anti-Semitismus.

 

Robert Gollwitzer

www.robert-gollwitzer.com

Verantwortung für die Vergangenheit

Posted on March 25, 2017 at 11:40 AM

Ich habe auch lange geglaubt, dass ich nichts mit dem zu tun hätte, was in der Nazi-Zeit in Deutschland geschah. Schließlich wurde ich 1967 geboren. Bis ich Nachkommen von Opfern damals kennen lernte. Die waren auch nach dem Krieg geboren und konnten auch nichts dafür - und doch war ein Großteil ihrer Familie immer noch tot und der Rest in alle Winde zerstreut und ihres Eigentums beraubt...

Niemand auf der Welt kann so tun, als ob ihn die Geschichte seiner Vorfahren nichts angehen würde. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kann man nicht einfach so trennen, als ob sie nichts miteinander zu tun hätten. Ohne die Vergangenheit (unsere Eltern) würden wir ja schließlich auch nicht existieren. Kaum einer würde doch auf die Idee kommen und sagen: "Was habe ich mit meinen Eltern zu tun? Ich schulde ihnen gar nichts! Habe ich etwa darum gebeten, geboren zu werden?"

Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strom in Jerusalem

Posted on November 17, 2016 at 12:10 AM

Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm legen das Kreuz am Jerusalemer Tempelberg ab und provozieren damit – zu recht! - einen Sturm der Entrüstung. Nun wird das Ganze auf katholisch.de schön geredet und verteidigt. Klar – Angriff ist für manche besser als Selbstkritik und Bitte um Vergebung.

 

Zuerst wird sich da erstaunt darüber gezeigt, dass die Bild-Zeitung erst zwei Wochen später darüber berichtet hat. Na und? Das ändert wohl kaum etwas am Sachverhalt. Es wird darauf verwiesen, dass die Kreuze bereits auf jüdischer Seite abgelegt wurden. Als ob das ein „Argument“ für irgendwas ist. Das macht es nur umso schlimmer – zumal von israelischer Seite offenbar ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass es nicht stimmte, dass die beiden dazu aufgefordert wurden.

 

Im folgenden wird bauernschlau gefolgert, es würde wohl eher darum gehen, dass man dem intoleranten Islam nicht die Stirn geboten hätte. Ob das so ist oder nicht, sei dahingestellt (das wäre allerdings die Pflicht der beiden gewesen!). Peinlich, dass hier verzweifelt nach Ausreden, Analysen etc. gesucht wird, um andere schlecht zu machen und den eigenen Arbeitgeber gut dastehen zu lassen (wie könnte man von einem Redakteur von katholisch.de auch erwarten, dass er sich auf die Seite derer stellt, die hier den Bischof und den Kardinal anklagen). Die Gegenseite als „Salonprotestanten“ oder „Fleischhauer“ zu beschimpfen sagt eigentlich schon viel über den Charakter des Autors. In einem hatten die Angegriffenen durchaus recht: Luther hatte weitaus mehr Mut, als manch einer unserer Kirchenvertreter…

 

Der ganze Artikel ist durchdrungen von dem, was ich der Kirche an sich und vielen Christinnen und Christen im besonderen vorwerfe: eine unglaubliche Naivität hinsichtlich des Islams. Es geht hier nicht um radikalen oder nicht radikalen Islam – es geht um den Islam an sich. Ihn mit dem Christentum oder dem Judentum vergleichen zu wollen, zeugt von grob fahrlässiger Unkenntnis. Weltweit haben eine ganze Reihe von Ex-Moslems Einrichtungen gegründet, mit denen sie aus erster Hand über das aufklären, was wir als Islam bezeichnen. Unzählige Augenberichte, die uns warnen sollten – und doch nicht tun.

 

Im weiteren wird sich darüber lustig gemacht, dass nur ein „Kleinglaube“ sich von „Amtsinsignien“ abhängig macht. Derartige Äußerungen über das Kreuz und dem, wofür es steht sowie denen, die ihr Leben dafür geben und es auch offen zeigen wollen, sind bodenlos und eines Christen nicht würdig. Der internationale Sturm der Entrüstung ist wohl kaum als Kleinglaube zu bezeichnen. Das ist eine Beleidigung für all die, denen das Kreuz noch etwas bedeutet. Es geht hier nicht um das „Tragen edler Schmuckkreuze“ (spätestens hier fragte ich mich, wer diesen Redakteur überhaupt eingestellt hat), sondern um das, was Kreuze international, weltweit und gerade bei der Begegnung mit Nicht-Christen aussagen. „Brennende Zeugen für Christus“ waren weder Kardinal Marx noch sein Amtskollege – und schon gar nicht der Redakteur.

 

Der Artikel endet mit einem fast peinlichen Kniefall des Redakteurs vor dem Kardinal und dem Landesbischof. Vielleicht sollte man Kommentare von Menschen schreiben lassen, die nicht auf der Gehaltsliste von katholisch.de stehen.

 

Ich bin Katholik und stehe dazu. Als solcher bete ich täglich für den Kardinal und den Papst und achte und ehre ihr Amt. Gleichwohl ist es auch meine Pflicht als Christ, mich in klaren Worten zu melden, wenn ich etwas sehe, das ich für eines Christen nicht würdig halte. Nichts anderes hat Paulus mit Petrus gemacht. Selbst Jesus fand oft klare und deutliche Worte, um Seine Jünger zu ermahnen. Nicht, weil Er sie bloßstellen wollte, sondern weil er sie liebte.

 

16.11.2016

 

Robert Gollwitzer

www.katholisch-leben.org

Mission to the Jews

Posted on December 14, 2015 at 1:45 PM

"At Iconium Paul and Barnabas went as usual into the Jewish synagogue. There they spoke so effectively that a great number of Jews and Greeks believed. But the Jews who refused to believe stirred up the other Gentiles and poisoned their minds against the brothers. So Paul and Barnabas spent considerable time there, speaking boldly for the Lord, who confirmed the message of his grace by enabling them to perform signs and wonders." Acts 14:1-3 (NIV)

So the Apostles preached to the Jews, Jesus preached to the Jews - they even were Jews themselves! - and my Catholic brothers at the Vatican have the guts to condemn "institutionalized" mission to the Jews? What's wrong with you guys??

Catholics vs. Jews

Posted on December 12, 2015 at 1:25 PM

What I think of the new document by the Commission for Religious Relations with the Jews called "The Gifts and the Calling of God are Irrevocable" (Rom 11:29) A Reflection on Theological Questions Pertaining to Catholic–Jewish Relations on the Occation of the 50th Anniversary of "Nostra Aetate" (No.4)?

I have only glanced through it, but from what I saw so far I consider it highly dangerous and misleading - almost to the point of heresy. Like any other wrong teaching coming from within the Church, there is a lot of truth in it. That makes the error ever so much more dangerous as it becomes invisible as error and appears as truth. In short: I believe the leaders of the Church are leading their flock into the wrong direction and it is up to us to stand up and fulfill both the Great Commandment and the Great Commission (which makes no difference of nationality or religious affiliation, institutions or individuals). To exclude anyone from that opens a door that will lead to even worse error.

Here is an anrticle about that I absolutely agree with: http://www.jewsforjesus.org/publications/blog/press-release-12-11-15