Robert Gollwitzer

Seelsorger. Berater. Aktivist. - Politisch. Katholisch. Leidenschaftlich.

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Eure Gläubigen schlafen während der Predigt ein?

Posted on May 6, 2017 at 1:30 PM

Die Kirchengemeinde starrt euch mit einem leeren Blick während eurer Predigt an und schläft offensichtlich innerlich während ihr euch als Priester abmüht?

 

Hier einige Tips:

 

1) So wie die Apostel die Worte in ihren Briefen gemäß den Adressaten wählten, solltet auch ihr daran denken, wen ihr vor euch hat. Ein theologischer Vortrag im Altenheim wird vielleicht nur wenige erreichen.

 

2) Eure Predigt sollte ein Ziel, eine Kernbotschaft haben. Worauf wollt ihr hinaus? Wo wollt ihr hin? Wer auf tausend Hochzeiten tanzt, wer hier etwas erwähnt und dort etwas anschneidet, erreicht im Prinzip nur, dass niemand weiß, um was es geht. Eure Predigt wird dann in dem Moment vergessen, in dem ihr sieh haltet.

 

3) Kaum ein Katholik weiß mehr, was die Kirche lehrt und warum. Eure Aufgabe ist es unter anderem, das zu ändern - in lebensnahen Worten und Bildern.

 

4) Stellt euch vor, das ist die letzte Predigt, die ihr haltet - und dann müsst ihr sterben. Genau diese Power braucht es beim Predigen.

 

5) Eure Botschaft sollte authentisch und wahrhaftig sein. Wer bodenständige Wörter und Botschaften verwendet, aber selbst ein vergeistigter Theologe zu sein scheint, macht sich lächerlich.

 

6) Die Aufgabe jedes Christen - und insbesondere jedes Priesters - ist es, von der Hoffnung und Liebe zu künden, die in uns ist - und andere damit anzustecken. Die Gläubigen (und Nichtgläubigen!) sollten aus dem Kirchengebäude gehen und voller Feuer sein, brennend darauf, das anderen zu erzählen! Geht nicht? Geht wohl! Wer meint, das ist utopisch, hätte nie Priester werden sollen und ist ein armseliger Christ. Vergesst aber nie: Die Zuhörer sollten anschließend nicht sagen "Was für ein toller Prediger!", sondern vielmehr "Was für ein toller Erlöser!"!

 

7) Wer in jedem Satz durchklingen lässt, was er alles weiß, gelernt und studiert hat, weiß im Grunde gar nichts und hat auch nichts verstanden. Seid wie Jesus in der Bergpredigt, wenn Er zu einfachen Menschen spricht!

 

8) Ihr müsst euch nicht anbiedern. Eure Aufgabe ist es nicht, zu erreichen, dass jeder euch gern hat. Ihr müsst die Menschen genug lieben, um ihnen die Wahrheit, die ganze (!) Wahrheit zu sagen - ob sie es nun hören wollen oder nicht. Die Menschen haben den Sohn Gottes ans Kreuz geschlagen - warum sollten sie seinen Jüngern Beifall klatschen?

 

9) Auf keinem Fall sollt ihr der Versuchung des "Wohlfühl-Christentums", des "Auswahl-Christentums" oder des "therapeutischen Christentums erliegen. Euer Job ist es nicht, dass sich die Menschen wohl dabei fühlen, was sie tun - unabhängig davon, um was es sich dabei handelt. Euer Job ist es genauso wenig, die Gläubigen zu ermutigen, sich selbst auszusuchen, was ihnen an der Kirche gefällt und was nicht - und was sie befolgen und was nicht. Euer Job ist vor allem nicht der Leiter einer therapeutischen Selbsthilfegruppe!

 

10) Emotion und Intellekt gehören zusammen. Zeigt beides in eurer Predigt! Redet zu den Menschen, unter den Menschen, mit den Menschen! Öffnet euer Herz und eurern Verstand! Bei manchen Predigten scheint beides verloren gegangen zu sein.

 

11) Auf keinen Fall "Theologen-Sprech". "Ich lade euch ein,...", "der begleitende Gott, der mit uns geht...", "in den johanneischen Briefen...", "In-Sich-Sein", "Gott ruft uns und möchte mit uns ein Stück des Weges gehen" - ihr kennt das. Ja, so reden (leider) manche an der Uni. Kein Mensch spricht aber so im wirklichen leben. Wer sich so ausdrückt, weiß selbst nicht, was er sagen will und macht aus Gott ein kraftloses Etwas, dass durch Theologen erklärt werden kann. Ist er nicht und kann Er nicht.

 

12) Der für alle Christen geltende Missionsauftrag fordert uns auf, hinaus (!) zu gehen, Menschen zu taufen und zu Jüngern Jesu Christi zu machen. Das heißt, ich muss wissen, was ein Jünger ist. Das heißt weiterhin, ich muss hinaus gehen! Ich kann nicht nur meine wöchentlichen Gottesdienste abhalten und rumjammern, warum immer weniger kommen. Die Menschen, die Jesus am nötigsten haben, klopfen nicht an unsere Tür. Da müssen wir uns schon die Mühe machen und zu ihnen gehen!

Kritik

Posted on August 1, 2016 at 2:30 PM

Wie kommt's, dass Priester so ein Problem mit Kritik haben? Solange sie mit Argumenten unterlegt ist und respektvoll vorgetragen wird, ist daran nichts auszusetzen. Anstatt aber zu überlegen, ob daran etwas Richtiges ist und das eigene Verhalten oder die eigene Einstellung der Korrektur bedarf (die Kritik also etwas Gutes und Notwendiges ist!), verfallen so manche in eine Verteidigungs- oder Angriffshaltung. Das ist sehr schade - umso mehr, als im Neuen Testament Kritik nicht nur als etwas Normales, sondern Notwendiges dargestellt wurde (Peter und Paulus kritisierten sich etwa gegenseitig). Mehr noch - wir werden dort aufgefordert, einander zu ermahnen, wenn das notwendig ist. Es ist also nicht egal oder Privatsache, was ein Priester von sich gibt - als Hirte hat er eine erhöhte Verantwortung, ebenso wie es in der Verantwortung eines jeden Christen liegt, einen Bruder oder eine Schwester zu ermahnen und ihm/ihr gegebenenfalls zurück auf den rechten Weg zu helfen. Alles andere ist verantwortungslos und hat mit christlicher Liebe nichts zu tun. Ein Priester muss die Lehre der Kirche erklären und verkünden. Weicht er davon ab, gibt es mehr als genug Grund, ihn zur Rechenschaft zu ziehen! Dafür sollte er den Betreffenden aber dankbar sein. Sie tun dies aus Liebe und Verantwortung und kommen damit ihrem biblischen Auftrag nach. Dies als "radikal", "aggressiv", "fundamentalistisch" oder was weiß ich noch darzustellen, ist nicht nur nicht in Ordnung, es ist schändlich. Man unterstellt dem Ermahnenden eine moralisch abzulehnende Grundhaltung, um selbst im besseren Licht zu stehen. Dafür brauchen wir aber keine Priester. Leider weiß kaum mehr ein Katholik darüber Bescheid, was die Kirche lehrt und warum sie das tut. Bestenfalls bekommen sie - falsche! - Auslegungen ihrer Geistlichen. Eine Katechese findet aber praktisch nie statt. Was man aber nicht kennt, kann man auch nicht lieben. Man kann es sich selbst gegenüber nicht rational erklären und gegen Angriffe nicht verteidigen. Man kann es nicht verbreiten und andere nicht mit dem Heiligen Feuer anzünden!

Was will er denn eigentlich?

Posted on May 28, 2016 at 2:50 PM

Bei manchen Predigten frage ich mich schon, was denn jetzt eigentlich der Kern ist. Was will er sagen? Was will er erreichen? Es ist ja alles schön und gut, aber am Schluss gehe ich aus dem Gottesdienst und nehme eigentlich gar nichts mit. Des öfteren aber gehen mir Bibelauslegungen wirklich gegen den Strich. Mag sein, dass ich zu sehr von Scott Hahn (www.scotthahn.com) verwöhnt bin. Kennt ihr das, wenn der Priester sich auf eine Auslegung konzentriert, die zwar nicht falsch ist, aber der totale Nebenschauplatz - und dabei das Wichtigste verpasst? Bei manchen Auslegungen scheint der Wunsch auch Vater des Gedankens zu sein - da wird mit Bibelversen mal schnell die persönliche Meinung zu diversen Themen sozusagen "göttlich gerechtfertigt". Im Großen und Ganzen kenne ich momentan keinen Priester, bei dem ich nach der Predigt mit brennendem Herzen aus der Kirche gehe. Von Scott Hahn, Fr. Bill Casey, Fr. Ben Cameron, Archbishop Fulton Sheen usw. kann ich noch nach Jahren den Inhalt von Predigten wiedergeben. Von meinen Ortspriestern kann ich das leider von niemandem sagen.

Priester mit den besten Absichten...

Posted on December 26, 2015 at 7:50 AM

Eine der spirituell gefährlichsten Mischungen sind Priester mit einem großen Sachwissen, den besten Absichten - und einer liberalen Überzeugung. Da werden dann zwar in der Predigt ausgezeichnete Hinweise, Informationen und Hintergründe vermittelt, das Ganze verläuft aber bestenfalls im Sand oder wird zur Rechtfertigung der persönlichen Meinung missbraucht.

Wenn Papst Benedikt XVI als "ängstlich" bezeichnet wird, weil er die grundlegenden Werte der Katholischen Kirche bewahren wollte - und will! - und im Gegensatz dazu eine "freiheitliche" Mentalität gefordert wird, die "keine Angst vor der Evangelischen Kirche" hat, dass ist das nicht nur Unsinn, sondern ein Missbrauch des Amts.

Vorneweg: Ich werde auch von konservativen Katholiken kritisiert, weil ich entschieden für die Einheit ALLER Christen (nicht nur den Lutheranern) fordere - und zwar jetzt. Wenn wir auf die Kirchenoberen warten oder darauf, dass wir uns in allen Punkten einig sind, wird die Verwirklichung des von Jesus selbst ausgerufenen einen Leibes nie geschehen. Auch wenn wir oft dramatische Unterschiede in den Glaubensüberzeugungen haben, ist es besser, die "unter einem Dach" zu klären. All diese Unterschiede gibt es innerhalb der Katholischen Kirche auch - dort glauben die Menschen mangels solider Katechese ebenso alles Mögliche.

Zu meinen, dass Menschen keine rationalen Gründe für ihren Standpunkt haben können und deren Haltung in schlimmster Hobby-Psychologie als "ängstlich" zu bezeichnen, ist billige Propaganda und eines Priesters nicht würdig. Papst Benedikt XVI - und andere mit ihm - hatten recht, wenn sie immer wieder betonten, dass es unveränderliche Werte in der Kirche geben muss und dass nicht jede Generation das Recht hat, diese nach Gutdünken zu verändern. Das hat mit "Ängstlichkeit" nichts zu tun - ganz im Gegenteil es braucht Mut, das offen zu sagen, wenn der breite Strom anderer Meinung ist.

Es ist ein Unding, wenn das eigene Sachwissen und die eigene Position innerhalb der Kirche laufend dazu missbraucht wird, eigene Thesen belegen zu wollen, indem man sogar Vergleiche zur Bibel steht. Privatmeinungen stehen nicht im Katechismus der Katholischen Kirche und schon gar nicht in der Bibel und gehören auch nicht in eine Predigt.

Schlimmer noch: Nach solchen Predigten frage ich mich oft, wozu denn die jetzt gut waren. Ja, ich habe zusätzliche Informationen bekommen, aber das war es dann auch. Eine Predigt sollte aber Herzen in Brand stecken, damit man den innern Wunsch hat, dieses Feuer und diese Liebe zu teilen. Man denke an die Predigten, die die Jünger Jesu gehalten hatten! Derartige Predigten habe ich aber schon lange nicht mehr gehört.

Das es auch anders geht, zeigt uns Father William Casey von den Fathers of Mercy seit vielen Jahren.

In der Kirche muss sich vieles ändern. Wir müssen uns ändern. In Zeiten, in denen die Verantwortlichen in der Kirche auf das Gröbste versagen, sind Laien gerufen, aufzustehen und für die Kirche zu kämpfen.

Dazu rufe ich jeden Christen und jede Christin auf: Gebt Zeugnis von der Hoffnung, dem Glauben und der Liebe, die in euch brennen und käpft für den, für den es sich lohnt zu kämpfen: Jesus Christus!

Robert