Robert Gollwitzer

Politisch. Katholisch. Leidenschaftlich.

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Ein Liebesbrief an unsere Priester

Posted on May 12, 2018 at 7:05 AM

Ich möchte mich an dieser Stelle von ganzem Herzen bei den wenigen aufrichtigen katholischen Priestern bedanken, die es noch gibt.

In meiner Kindheit auf dem Land in der Oberpfalz war es selbstverständlich, sich zu verneigen und "Gelobt sei Jesus Christus!" zu sagen, wenn einer unserer Priester auf dem Fahrrad vorbei fuhr. So lernten wir, was uns auch die Bibel lehrt - geweihte Männer zu respektieren. Ich war sehr überrascht, als ich Jahrzehnte später in München sah, wie Katholiken (und Christen in "Freikirchen"!) mit ihren Priestern (Pastoren/Evangelisten) umgingen!

Mittlerweile blutet mein Herz, wenn ich sehe, wie die Kirche die Nachfolger Jesu Christi behandelt. Von Respekt kann da keine Rede mehr sein. Da erlauben sich Laien, die keinerlei (oder bestenfalls eine unsägliche liberal-modernistische) theologische Ausbildung haben, ihnen vorzuschreiben, was sie tun sollen.

Da mischen sich Pfarrgemeinderäte in jede Angelegenheit ein, die sie im Grunde nicht das geringste angeht.

Sakramentales Leben und katechetische Glaubens-Unterweisung existieren (fast) nicht mehr.

Die wenigsten haben noch eine Ahnung davon, was die Katholische Kirche lehrt und warum.


Meine Vorschläge deshalb:


- Sofortige Abschaffung der Pfarrgemeinderäte. Dieses gutgemeinte, aber schlecht gelaufene Experiment in Folge des II. Vatikanischen Konzils ist gescheitert. Leiter einer Pfarrei ist der Priester. Es gibt genügend Möglichkeiten, ihn ehrenamtlich in seinem Tun zu unterstützen, ohne selbst Priester spielen zu wollen.


- Auflösung der Pfarrverbände und Rückkehr zu den Einzel-Pfarreien. Das Argument, es gäbe zu wenig Priester, ist falsch. Weltweit ist die Zahl der Priester am Steigen - und viele unserer Pfarrer kommen eh aus dem Ausland.


- Abschaffung der Kirchensteuer. Die Kirche wird sich nur reformieren, wenn die Kohle - und mit ihr die Berufskatholiken - weg sind und sie zu Reformen gezwungen wird.


- Radikale Reform des Theologiestudiums, der Ausbildung in geistlichen Berufen sowie der katechetischen Unterweisung vor Ort in den Pfarreien. Weg von anti-katholischen liberalen Vorstellungen und zurück zu dem, wofür die Katholische Kirche steht.


- Das alleinige Kriterium bei der Auswahl von künftigen Bischöfen sollte sein, ob sie ihr Hirtenamt bisher gemäß den Vorgaben der Katholischen Kirche gut ausgefüllt haben.


- Priester sollten auch in der "Alten Messe" ausgebildet werden und die Feier derselben sollte weiterhin ermutigt werden. Liturgische Missbräuche wie sie in fast jeder Pfarrei zu finden sind, sind sofort abzustellen.



Priester sind Menschen. Sie haben auch ihre Bedürfnisse. Es erfüllt mich mit tiefer Trauer zu sehen, wie manche von ihnen gemobbt, respektlos behandelt und fortwährend dafür angegriffen werden, dass sie den Katholischen Glauben verkünden (zumindest die wenigen, die das noch tun).

Hirten können ihre Herde nur auf den rechten Weg führen, wenn die Schafe ihnen folgen - das aber ist kaum noch der Fall. Die meisten Katholiken wissen eh alles besser und suchen sich aus, welche Gebote der Kirche sie wann befolgen. Priester sind nur mehr Angestellte. Einer unter vielen in großen Pfarreiverbänden. Sie sollen sich einem "Team" unterordnen und von diesem vorschreiben lassen, was sie zu tun und lassen haben. Die Eucharistie ist beinahe zu einer Belanglosigkeit verkommen - zumindest wird sie von vielen so behandelt. Die Beichte ist beinahe abgeschafft. Wer beichgten will, muss einen Termin mit dem Priester vereinbaren.


Ja, in Deutschland (!) geht die Zahl der Priester (und Ordensangehörigen) zurück. Leider. Allerdings haben wir nichts anderes verdient. Laien können keine Priester ersetzen und die Heilige Messe ist kein Theaterspiel, bei dem jede/r nach Belieben mitspielen kann.


Mittlerweile habe ich von einer Reihe von Priestern (und sogar Kardinälen!) etwas gehört, was ich noch nie zuvor von katholischen Geistlichen gehört habe: dass wir in der Endzeit leben.


Wenn dem so ist, werden die Dinge allerdings erst einmal sehr viel schlechter, bevor sie wieder besser werden.


Das Gute dabei: Wer "das Buch" zu Ende gelesen hat, weiß auch, wer am Schluss gewinnt: Jesus Christus und Sein Leib, die Kirche (wobei letztere nicht der Verwaltungsapparat ist, den wir kennen, sondern die Kirche des Herrn).


Entscheide dich jetzt, auf welcher Seite du stehst. Du hilfst niemandem, wenn du weiterhin auf dem Zaun sitzt.


München, 12.05.2018


Robert Gollwitzer

Wenn die Kirche wie die Welt ist

Posted on February 3, 2018 at 1:50 PM

Ich komme eben von der Abendmesse in einem örtlichen Altenheim zurück.

Der Gottesdienst war in ziemlich allen Teilen ein Spiegelbild der deutschen Katholischen Kirche.

Für gewöhnlich ist der Priester in ein Gespräch mit einem Mitglied des Pfarrgemeinderats vertieft, wenn ich den Raum betrete. Ein kurzer Händedruck - und fertig.

Abgesehen davon, dass ich der Ansicht bin, dass sich ein Priester - alleine! - geistig auf das vorbereiten sollte, was nun kommt (schließlich gibt es nichts im Universum, was größer ist als der Moment, an dem Himmel und Erde in der Wandlung aufeinander treffen!), so sollte doch (nach der Messe) ein Anteilnehmen am Leben der Gläubigen selbstverständlich sein.

Ich habe mir irgendwann gedacht, mach du doch den ersten Schritt - was aber höflich und bestimmt abgewiesen wurde.

Nun gut. Irgendwann wird das Geplauder beendet und nahtlos die Messe begonnen (wie kann man sich eigentlich geistig so schnell auf das Wesentliche konzentrieren?).

Die Messe beginnt wie üblich.

In der Regel fällt die erste Lesung komplett weg. Warum eigentlich? Die erste und zweite Lesung ergänzen sich wunderbar und gemeinsam mit dem Evangelium bilden sie eine großartige Einheit. Warum dies den Gläubigen vorenthalten?

Heute fallen die Lesungen kommentarlos komplett weg.

Ein Wunder, dass noch das Evangelium verlesen wird.

Die Predigt ist wie gehabt - eine theologische Abhandlung, bei der der Priester wohl mehr oder weniger bewusst zeigen will, was er gelernt hat. Schön und gut in der Uni - völlig fehl am Platz in einem Altenheim.

Wie üblich werden Bibelverse auch heute immer wieder mal kurz verwendet (missbraucht?), um das, was der Priester persönlich unter "Reformen" versteht, als gut und gottgewollt darzustellen (die theologische Darstellungsweise soll hier wohl noch zusätzliche Autorität verleihen). Im Englischen nennt man das "proof texting" - das Ausschneiden einzelner Bibelverse aus dem Kontext, um damit die eigene Meinung zu unterlegen und zu "beweisen".

Ebenfalls wie üblich ist die Predigt irgendwie richtig und irgendwie belanglos. Jedesmal frage ich mich, was denn eigentlich die zentrale Botschaft der Predigt ist. Und jedesmal habe ich keine Ahnung. Ich vermute, die anwesenden Alten noch viel weniger. Würde man irgendjemand nach der Messe nach der Predigt oder einer der Schriftlesungen fragen, würden wohl die wenigsten eine Antwort geben können.

Angesichts des Austreibens von bösen Geistern durch Jesus, von dem im Evangelium die Rede war, kommt ein kurzer Verweis darauf, dass dies eine "bildhafte Darstellung" (sprich eine Art Symbol und keineswegs die Realität) sei. Da werde ich zum ersten Mal zornig. Nicht nur, dass ganze Pfarreien seit Jahrzehnten nichts von Dämonen, bösen Geistern, Satan, Hölle und Verdammnis gehört haben, jetzt wird das sogar als "bildhaft" dargestellt. Das ist verantwortungslos für einen Hirten.

Ich denke mal, da werden einige spätestens nach dem Tod sehr überrascht sein.

Kurz vor dem Schlusssegen dann stellen sich die Kandidat*innen für die anstehende Pfarrgemeinderatswahl vor.

Nun ist es kein Geheimnis, dass ich den Pfarrgemeinderat als gutgemeintes, aber gescheitertes Experiment in Folge des II. Vatikanischen Konzils sehe. Hier wollen Laien, die wenig bis gar keine theologischen Kenntnisse haben, an kirchlichen Entscheidungen und Glaubensfragen beteiligt werden, von denen sie schlicht keine Ahnung haben. Gut gemeint und schlecht gelaufen. Eine Plage für unzählige Priester. Kein Wunder, dass diese eine Identitätskrise haben.

Ich höre jeder einzelnen Kandidatin zu (nur ein Mann darunter - ebenso ein Bild für unsere deutsche Kirche).

Bei keiner einzigen könnte man sagen, das hat wirklich etwas mit der Katholischen Kirche zu tun. Sie wollen alle Gutes tun, sich um das gemeinschaftliche Leben kümmern oder einfach "ihren Beitrag leisten" (wobei dies nicht näher bestimmt wird).

Was um Himmels willen unterscheidet so eine Gemeinde von einem atheistischen Nachbarschaftsverein? (Fast) gar nichts.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich bin der festen Überzeugung, dass sowohl die Kandidat*innen wie der Priester die besten Absichten haben. Das Gegenteil von "gut" ist aber "gut gemeint". Dieses "gut" ist leider nicht gut genug für die Kirche.

Kein Mensch braucht so einen Wohlfühl-Verein und es ist somit nur folgerichtig (wenn auch traurig), dass viele Menschen die Katholische Kirche in Deutschland verlassen (international steigt die Zahl der Katholiken!).

Menschen wie ich gelten als "aggressiv", "fundamentalistisch", "engstirnig", "altmodisch" (im Gegensatz zur eigenen, Möchtegern-fortschrittlichen Einstellung). Sei's drum.

Die deutsche Kirche ist am Schrumpfen. Das ist gut so und notwendig. Papst Benedikt hat das bereits 1969 in beinahe prophetischer Art und Weise vorausgesehen.

Wir müssen schrumpfen, um wieder zu dem zurückzufinden, was wir eigentlich sind:

Der Leib Christi.

München, 03.02.2018

Robert Gollwitzer

Kritik

Posted on August 1, 2016 at 2:30 PM

Wie kommt's, dass Priester so ein Problem mit Kritik haben? Solange sie mit Argumenten unterlegt ist und respektvoll vorgetragen wird, ist daran nichts auszusetzen. Anstatt aber zu überlegen, ob daran etwas Richtiges ist und das eigene Verhalten oder die eigene Einstellung der Korrektur bedarf (die Kritik also etwas Gutes und Notwendiges ist!), verfallen so manche in eine Verteidigungs- oder Angriffshaltung. Das ist sehr schade - umso mehr, als im Neuen Testament Kritik nicht nur als etwas Normales, sondern Notwendiges dargestellt wurde (Peter und Paulus kritisierten sich etwa gegenseitig). Mehr noch - wir werden dort aufgefordert, einander zu ermahnen, wenn das notwendig ist. Es ist also nicht egal oder Privatsache, was ein Priester von sich gibt - als Hirte hat er eine erhöhte Verantwortung, ebenso wie es in der Verantwortung eines jeden Christen liegt, einen Bruder oder eine Schwester zu ermahnen und ihm/ihr gegebenenfalls zurück auf den rechten Weg zu helfen. Alles andere ist verantwortungslos und hat mit christlicher Liebe nichts zu tun. Ein Priester muss die Lehre der Kirche erklären und verkünden. Weicht er davon ab, gibt es mehr als genug Grund, ihn zur Rechenschaft zu ziehen! Dafür sollte er den Betreffenden aber dankbar sein. Sie tun dies aus Liebe und Verantwortung und kommen damit ihrem biblischen Auftrag nach. Dies als "radikal", "aggressiv", "fundamentalistisch" oder was weiß ich noch darzustellen, ist nicht nur nicht in Ordnung, es ist schändlich. Man unterstellt dem Ermahnenden eine moralisch abzulehnende Grundhaltung, um selbst im besseren Licht zu stehen. Dafür brauchen wir aber keine Priester. Leider weiß kaum mehr ein Katholik darüber Bescheid, was die Kirche lehrt und warum sie das tut. Bestenfalls bekommen sie - falsche! - Auslegungen ihrer Geistlichen. Eine Katechese findet aber praktisch nie statt. Was man aber nicht kennt, kann man auch nicht lieben. Man kann es sich selbst gegenüber nicht rational erklären und gegen Angriffe nicht verteidigen. Man kann es nicht verbreiten und andere nicht mit dem Heiligen Feuer anzünden!

Priester mit den besten Absichten...

Posted on December 26, 2015 at 7:50 AM

Eine der spirituell gefährlichsten Mischungen sind Priester mit einem großen Sachwissen, den besten Absichten - und einer liberalen Überzeugung. Da werden dann zwar in der Predigt ausgezeichnete Hinweise, Informationen und Hintergründe vermittelt, das Ganze verläuft aber bestenfalls im Sand oder wird zur Rechtfertigung der persönlichen Meinung missbraucht.

Wenn Papst Benedikt XVI als "ängstlich" bezeichnet wird, weil er die grundlegenden Werte der Katholischen Kirche bewahren wollte - und will! - und im Gegensatz dazu eine "freiheitliche" Mentalität gefordert wird, die "keine Angst vor der Evangelischen Kirche" hat, dass ist das nicht nur Unsinn, sondern ein Missbrauch des Amts.

Vorneweg: Ich werde auch von konservativen Katholiken kritisiert, weil ich entschieden für die Einheit ALLER Christen (nicht nur den Lutheranern) fordere - und zwar jetzt. Wenn wir auf die Kirchenoberen warten oder darauf, dass wir uns in allen Punkten einig sind, wird die Verwirklichung des von Jesus selbst ausgerufenen einen Leibes nie geschehen. Auch wenn wir oft dramatische Unterschiede in den Glaubensüberzeugungen haben, ist es besser, die "unter einem Dach" zu klären. All diese Unterschiede gibt es innerhalb der Katholischen Kirche auch - dort glauben die Menschen mangels solider Katechese ebenso alles Mögliche.

Zu meinen, dass Menschen keine rationalen Gründe für ihren Standpunkt haben können und deren Haltung in schlimmster Hobby-Psychologie als "ängstlich" zu bezeichnen, ist billige Propaganda und eines Priesters nicht würdig. Papst Benedikt XVI - und andere mit ihm - hatten recht, wenn sie immer wieder betonten, dass es unveränderliche Werte in der Kirche geben muss und dass nicht jede Generation das Recht hat, diese nach Gutdünken zu verändern. Das hat mit "Ängstlichkeit" nichts zu tun - ganz im Gegenteil es braucht Mut, das offen zu sagen, wenn der breite Strom anderer Meinung ist.

Es ist ein Unding, wenn das eigene Sachwissen und die eigene Position innerhalb der Kirche laufend dazu missbraucht wird, eigene Thesen belegen zu wollen, indem man sogar Vergleiche zur Bibel steht. Privatmeinungen stehen nicht im Katechismus der Katholischen Kirche und schon gar nicht in der Bibel und gehören auch nicht in eine Predigt.

Schlimmer noch: Nach solchen Predigten frage ich mich oft, wozu denn die jetzt gut waren. Ja, ich habe zusätzliche Informationen bekommen, aber das war es dann auch. Eine Predigt sollte aber Herzen in Brand stecken, damit man den innern Wunsch hat, dieses Feuer und diese Liebe zu teilen. Man denke an die Predigten, die die Jünger Jesu gehalten hatten! Derartige Predigten habe ich aber schon lange nicht mehr gehört.

Das es auch anders geht, zeigt uns Father William Casey von den Fathers of Mercy seit vielen Jahren.

In der Kirche muss sich vieles ändern. Wir müssen uns ändern. In Zeiten, in denen die Verantwortlichen in der Kirche auf das Gröbste versagen, sind Laien gerufen, aufzustehen und für die Kirche zu kämpfen.

Dazu rufe ich jeden Christen und jede Christin auf: Gebt Zeugnis von der Hoffnung, dem Glauben und der Liebe, die in euch brennen und käpft für den, für den es sich lohnt zu kämpfen: Jesus Christus!

Robert