Robert Gollwitzer

Seelsorger. Berater. Aktivist. - Politisch. Katholisch. Leidenschaftlich.

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Krankheitsgewinn

Posted on January 4, 2020 at 8:15 AM

Viele Menschen leiden unter Burnout. Sie sollen jede erdenkliche Hilfe erfahren. Interessant wird es jedoch, wenn es um Menschen geht, die (bewusst oder unbewusst) einen primären oder sekundären Krankheitsgewinn aus ihrer - vorgegebenen - Erkrankung ziehen. In anderen Worten: Menschen, die gelernt haben, dass sie keine Verantwortung übernehmen müssen, dass für sie gesorgt wird, dass sie Aufmerksamkeit und Mitgefühl erhalten und dass sie nicht in die Arbeit gehen müssen, wenn sie eine psychische oder körperliche Erkrankung haben. Derartiges zu erkennen ist oft nicht leicht und ich frage mich, wieviele Therapeuten dabei mit vergebenen Therapieversuchen verschleißt werden (da der Patient ja nicht gesund werden will!). Manchmal dürfte der Grund tief in der Psyche zu suchen sein (etwa aus Konditionierungen in der Kindheit), der Patient also ein Fall für die Psychoanalyse sein. In jedem Fall aber wird er/sie höchstwahrscheinlich den Krankenkassen und der Wirtschaft eine Menge Geld kosten...

Therapie? Jahrelange Psychoanalyse mit unsicherem Ausgang, da den Betroffenen für gewöhnlich jegliche Einsicht und jedes Krankheitsbewusstsein fehlt. Alternative? Eigentlich nicht. Zumindest nicht psychotherapeutisch korrekt: Tritt in den Hintern, weg mit jeglicher Unterstützung und ab in die Arbeit! (nicht unbedingt immer meine Meinung, aber manchmal eventuell hilfreich...)

Wann verändern sich Menschen?

Posted on October 17, 2019 at 8:25 AM

Folgende Faktoren spielen bei Veränderungsprozessen eine Rolle:


Energie. Wer sich verändern will, braucht zuallererst die erforderliche Energie hierfür.


Ziel. Was wollen wir mit einer Veränderung erreichen?


Stress- und Frustrationstoleranz. Auf dem Weg zum Ziel wird es Hindernisse geben. Es ist unerlässlich, damit konstruktiv umzugehen. Wer ein Ziel hat, muss darauf hinarbeiten und sich ständig darauf fokussieren können, ohne den Willen zur Zielerreichung zu verlieren - auch wenn der Weg dorthin lang dauern und hart sein wird. Ausdauer und Geduld sind die Grundlagen für jede Veränderung. Für die hierfür nötigen Energiereserven muss laufend Sorge getragen werden.


Leidensdruck. In der Regel muss unser Leidensdruck erst eine bestimmte Höhe erreicht haben, bevor wir trotz unserer Bequemlichkeit einen Veränderungsprozess angehen.


Zeit. Eine Veränderung braucht zumeist Zeit.


Schock. Eine Veränderung wirkt oft wie ein Schock. Wesentlich ist nun, diesen überwinden zu können.


Einsicht. Die Notwendigkeit einer Veränderung muss rational erkannt werden.


Akzeptanz. Neben der rationalen Akzeptanz ist auch die emotionale Akzeptanz einer Veränderung wichtig.


Ausprobieren. Für eine Veränderung muss man sich aktiv mit den neuen Anforderungen und Aufgaben auseinandersetzen.


Erkenntnis. Welche Auswirkungen hat die Veränderung und welche Kompetenzen haben wir hierfür?


Integration. Die neu gewonnene Selbstsicherheit und die ersten positiven Erfolge führen zu einer Integration der Veränderung in den Alltag.


Verneinung. Wenn wir mit der Notwendigkeit einer Veränderung konfrontiert wird, reagiert in der Regel ablehnend und abweisend. Seine Komfortzone verlassen zu können, ist aber notwendig, um sich zu verändern.


Werte. Um uns auf ein Ziel hin zu verändern, muss dieses mit unserem Wertesystem übereinstimmen.


Hilfe und Feedback. Wer sich verändern will, muss sich Hilfe und Feedback von anderen holen können.


Aufgeschlossenheit. Wer sich auf etwas Neues zubewegen will, muss dem gegenüber aufgeschlossen sein.


Eigenverantwortung. Nicht meine Kindheit, nicht meine Eltern und Umgebung und auch nicht meine Gene sind für unser Leben verantwortlich, sondern wir allein! Wir haben es in der Hand, uns zu verändern!


Flexibilität. Wer sich verändern will, muss flexibel und anpassungsfähig sein.


Fehler. Wer sich verändern will, muss akzeptieren, dass Fehler geschehen und daraus lernen können.


Lernen - lebenslang. Um sich verändern zu können, muss man das Leben als lebenslanges Lernen begreifen.


Körper, Psyche und Spiritualität wirken bei jeder Veränderung mit und müssen deshalb als Einheit berücksichtigt werden. Bei einer Veränderung des Verhaltens oder der Gedanken bzw. Einstellung sind deshalb die Gedanken, Medikamente, der Organismus, Verstärker, Kontingenz, das System, die Übung, Stimuli und die Spiritualität zu berücksichtigen.


(Quellen: u.a. https://www.ankevonplaten.de/blog/faktoren-veraenderung/, https://www.selbstbewusstsein-staerken.net/persoenlichkeitsentwicklung/, https://change-leadership.org/die-sieben-phasen-der-individuellen-veraenderung/, https://bts-ips.de/wp-content/uploads/2016/06/67_11-10_BTS_aktuell.pdf, https://www.bts-wuppertal.de/Prospekte/BTS_Broschuere.pdf. Abgerufen am 17.10.2019)


Epigenetik

Posted on June 15, 2017 at 8:55 AM

Vergessen Sie, was Sie bisher über Gene wussten. Im Zeitalter der Epigenetik entscheiden Sie über Ihren Gencode mit!

 

Obwohl jede Zelle 20 000 Gene hat, verwendet sie nur einen kleinen Teil davon – und schaltet den Rest einfach ab. Warum und wie sie das tut und welche Konsequenzen das hat, erklärt die Epigenetik.

 

Hielt man bisher die DNA für einen unveränderlichen Code, so weiß man inzwischen, dass laufend kleine Moleküle oberhalb („epi“) der Nukleotid-Sequenz der DNA hinzugefügt oder wieder entfernt werden. Veränderte Markierungs-Muster werden dann von Speizial-Enzymen gelesen, die Schritte zum An- oder Abschalten von Genen einleiten.

 

Die durch die Markierung entstandene Information bildet das Epigenom – die chemisch veränderte Erbgut-Information DNA. Das Epigenom wiederum entscheidet über die Protein-Produktion der Zellen.

 

Diese Erkenntnisse sind revolutionär. Vorbei die Zeiten, in denen man dachte, ein Gen würde zwangsweise ein Verhalten hervorrufen. Tatsächlich hängt es von der Umwelt wie vom eigenen Verhalten ab, ob dieses Gen überhaupt „angeschaltet“ - oder gar verändert – wird.

 

Trotz gleicher Erbinformationen können also unterschiedliche Zellen oder auch unterschiedliche Lebewesen entstehen. So kann eine menschliche Stammzelle über 200 verschiedene Gewebe produzieren. Ob aus einer Bienenlarve eine Arbeiterin oder eine Königin wird, entscheidet das Epigenom, das Gene an- und abschaltet.

 

Verwendet wird letztendlich, was gebraucht wird. Zwar werden alle 20 000 menschlichen Gene laufend benötigt, aber nie gleichzeitig in einer einzigen Zelle.

 

Das Epigenom entscheidet aber nicht nur über die Verwendung, es speichert auch die Information – durch anfangs erwähntes Anhängen kleiner Moleküle an die DNA. Durch dieses Anhängen werden die Gene markiert und gegebenenfalls auch abgeschaltet. Diese Markierung ist in der Regel auch stabil. Es bedarf schon des Eingreifens durch Enzyme, um sie wieder zu lösen. Diese Flexibilität, die sich im An- und Abschalten von Genen zeigt, ist für unser Leben auch sehr wichtig: Das Epigenom kann somit auf Veränderungen reagieren – und diese sogar an die nächste Generation weiter geben. Es muss ja nicht immer das Rad von Neuem erfunden werden. Der veränderte Bauplan wird an die Nachkommen übertragen, sodass diese besser an ihre Umwelt angepasst sind.

 

Molekulare Mechanismen führen also zu einem stärkeren oder schwächeren Ablesen von Genen. Die auf ihnen befindliche Information wird aber nicht verändert. Dies wurde lange Zeit von der Fachwelt übersehen und revolutioniert die heutige Sichtweise.

 

Wissenschaftler haben durch die Epigenetik eine völlig neue Vorstellung davon bekommen, wie sich Lebewesen entwickeln und wie sie in einem komplexen Organismus zusammen arbeiten. Es reicht bei weitem nicht mehr, ein Gen zu präsentieren und damit schlüssige Entwicklungen folgern zu wollen.

 

Die Epigenetik kann und wird eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung und Verhinderung von Krankheiten spielen – etwa beim Krebs.

 

Sie wird allerdings auch gesellschaftliche und politische Diskussionen nachhaltig beeinflussen: Nun kann eben nicht mehr behauptet werden, man werde zwangsweise homosexuell, weil man ein dementsprechendes (bisher allerdings noch nicht gefundenes) Gen habe. Diese Art von Steinzeit-Wissenschaft ist längst überholt und qualifiziert den Verwender derartiger Argumente als nicht informiert und nicht up-to-date. Das mag nun nicht mehr politisch korrekt, dafür aber umso wissenschaftlicher sein.

 

Was die klassische Genetik bisher nicht erklären konnte, scheint sich mittlerweile abzuzeichnen: offenbar können einzelne Merkmale vererbt werden, ohne dabei das Erbgut an sich zu verändern.

 

So fand man etwa heraus, dass die Einwohner eines Dorfes in Nordschweden länger lebten, weil ihre Großväter Hunger leiden mussten und die Gesundheit der Enkel genetisch beeinflussten. Das klassische Gen-Modell kann dies nicht erklären, da Gene nur sehr langsam und schrittweise durch die Evolution verändert werden, keinesfalls aber in einer oder zwei Generationen. Die DNA oder Proteine auf ihr wurden chemisch durch epigenetische Marker verändert – die Abfolge der DNA-Bausteine bleibt jedoch dieselbe. Allerdings ändert sich die Aktivität dieser Gene – bis hin zum völligen An- oder Abschalten. Die Zellen erhalten durch die Marker eine Art Handbuch dafür, wie sie mit den DNA-Bausteinen umgehen sollen. Diese Marker können dann auch vererbt werden, was aber nicht zwangsweise der Fall ist. So hat sich etwa der Stress von Rattenmüttern auf deren Nachkommen übertragen, die „automatisch“ ängstlicher waren.

 

Wichtig ist hierbei der Unterschied zwischen der epigenetischen Vererbung, also der Übertragung von der Mutter auf das Kind, und den generations-übergreifenden epigenetischen Effekten, der Prägung des Fetus im Mutterleib. Die Prägung etwa kann in der nächsten Generation wieder verschwinden.

 

Ob eine epigenetische Vererbung auch beim Menschen möglich ist, ist allerdings weiterhin umstritten. Epigenetische Prägung ist sehr wohl auch beim Menschen möglich, die epigenetische Vererbung nach bisherigem Wissensstand eher unwahrscheinlich.

 

In anderen Worten: Es hängt also von vielen verschiedenen Faktoren (etwa der Umwelt) ab, ob und in welcher Stärke Gene zum Tragen kommen oder ob sich ein Verhalten oder eine Veränderung von den Eltern auf die Kinder überträgt und diese prägt. Ein gegebener Gencode allein besagt noch wenig. Offenbar wird dieses „Handbuch“ des Umgangs mit der DNA aber nicht über mehrere Generationen vererbt. Letzteres wird wissenschaftlich allerdings noch diskutiert.

 

Bisher war man der Ansicht, dass nur spontane Gen-Mutationen – und nicht etwa die Umwelt - das Erbgut verändern. Dies wird in dieser Form von der Wissenschaft nicht mehr aufrecht erhalten. Die Markierungen auf den DNA-Basen haben das letzte Wort darüber, welches Gen verwendet wird und welches nicht – und in welcher Form. Dies geschieht sehr wohl in Anpassung an die Umwelt.

 

Augenblicklich ist man der Ansicht, dass die Epigenetik das Zusammenspiel zwischen den Zellen beeinflusst, nicht jedoch die Ausprägung neuer Funktionen oder Organe. Epigenetische Marker werden zwar vererbt, aber nur wenige davon. Bei Pflanzen werden epigenetische Veränderungen dauerhaft vererbt, bei Säugetieren ist das Epigenom spätestens in der dritten Generation wieder in seinem Ursprungs-Zustand.

 

Klar ist jedoch eines: Das bisherige wissenschaftliche Dogma, dass die Eigenschaften eines Organismus durch das Erbgut, dass ihm bei Geburt mitgegeben wird, unveränderlich und für alle Zeiten feststehen, ist gekippt. Das ist schlichtweg falsch.

 

Diese Erkenntnis kann in ihrer Tragweite gar nicht bedeutend genug eingeschätzt werden. Die Thesen von so manchen Hobby-Wissenschaftlern können somit schnell entkräftet werden.

Selbst geringfügige Umweltveränderungen können einen Einfluss auf unser Erbgut haben.

 

Diese Erkenntnis wird viele Wissenschaftsgebiete betreffen – unter anderem auch die Psychiatrie und Psychotherapie. Was bisher als unveränderlich galt und somit hingenommen und als moralisch akzeptabel gesehen werden musste (etwa Formen und Ausprägungen menschlicher Sexualität wie eben die Homosexualität), stellen sich nun in einem völlig anderen Licht dar. Dies bedeutet aber auch ein Ende der Verteufelung politisch nicht korrekter therapeutischer Ansätze. Wissenschaft muss sich vom Zeitgeist lösen und hiervon unabhängig forschen – und diese Forschungen auch veröffentlichen und auf ihrer Basis arbeiten dürfen.

 

Alles andere ist Gehirnwäsche mittels politischer Propaganda. Das allerdings hatten wir in der deutschen Geschichte schon einmal.

 

 

 

 

(Quellen: http://www.wissensschau.de/genom/epigenetik_und_epigenom.php, http://www.spektrum.de/thema/epigenetik/1191602, abgerufen am 15.06.2017)

A Word to "Ex-Gay Leaders"

Posted on May 19, 2017 at 2:00 PM

Some might not like to hear what I am saying, but it needs to be said. No wonder the ex-gay (or "purity" or whatever you call it)-movement has so little impact on society! Look at its "leaders": They brag with scientific credentials in psychiatry and/or psychology while most have no credentials at all or at best low-level ones. Extremely few really are psychiatrists. Others point out their theological "achievements". It is not an achievement when you were appointed pastor by some small church - which would not be recognized by 99% of Christianity! Others try to make their own name big, forgetting who really set them free. Then you have those who studied theology or whatever else and now claim to be expert on any given field. Most of their "knowledge" comes from stuff they have read somewhere. Finally you have those who travel across the globe and write books about how to find freedom from same-sex attractions, how to look at them from a Christian and scientific point of view, how to deal with them from a political perspective - you get the picture. The "I-know-everything"-types. However, if you look at their private lives things do not look so shiny - they might be divorced or married a divorced partner, which makes their cohabitation a form of adultry no better than any homosexual act.

 

So what am I getting at? That we are all liars and hypocrites?

 

I can't look into someone's heart, so it is not up to me to say that. But! we should stick at what we truly know about and not try to beat the world in areas where it is better than we will ever be. God does not need credentials. Your own life story is worth a whole lot more if you present it - and yourself - authentically! Don't try to brush it up, to make it look better. Don't push your own agenda, but God's.

 

As Doug from Homosexuals Anonymous used to say: "The only thing that keeps us from finding true freedom is the belief that it can be done!"

 

He sometimes told me how they started off in 1976, having no fancy psychology books, but the Bible. Yet to this day I have not met a man with a stronger faith than Dr. Douglas McIntyre, who passed away in 2015.

 

He did not put human science down, but he gave credit where credit was due.

 

Finally, at the end of the day, we need a love bigger than whatever our hearts and bodies held on to so far. A love that can give eternal life.

 

Robert Gollwitzer

Director Homosexuals Anonymous

Anger issues?

Posted on April 13, 2017 at 4:45 PM

Have you ever been told you have an "anger issue" - along with some Bible verses to help you to repent? Anger is a completely normal emotion. Nobody (!) does NOT get angry. Jesus got angry. He got so angry He chased the merchants out of the temple. Stop pretending you have no emotions and/or emotions are a bad thing. Emotions have a function in our lives. We have them for a reason. Without emotions, humanity would not even have survived. They protect us, motivate us or prevent us from doing something. Get a life!

Konfrontationstherapie - ein Allheilmittel?

Posted on

Seit Jahrzehnten wird die Konfrontationstherapie (auch "Exposition" oder bei der extremen Version "Flooding" genannt) als Allheilmittel gegen Ängste und Zwänge angewendet und empfohlen. Ihre Wirksamkeit wird mit Studien belegt. Kritik wird mit der pauschalen Unterstellung vom Tisch gewischt, der Therapeut hätte sie nicht richtig angewendet.

 

Also alles gut - oder nicht?

 

Ich kenne beide Seiten der Medaille. Seit Jahrzehnten habe ich Angst- und später auch (teils extreme) Zwangsstörungen. Diese wurden unter anderem in einer Tagklinik behandelt. Vor einigen Jahren bin ich auf die "andere" Seite gewechselt und habe viele praktische und theoretische Aus- und Fortbildungen im Bereich Psychologie, Psychiatrie und Neurologie gemacht. Dennoch will ich hier nur meine persönlichen Erfahrungen teilen.

 

Wirkt diese Therapieform nun oder nicht?

 

Kommt darauf an, was man unter "wirkt" versteht. Ja, es kommt in

vielen Fällen zu einer teils drastischen Symptomreduktion. Auch bei mir haben sich die Zwänge in wenigen Wochen zurück entwickelt.

Dennoch muss hier radikal umgedacht werden. Was sich hier reduziert, sind - in der Regel - die Symptome. Bei den Ursachen sieht es ganz anders aus. Ja, teils wirken die Symptomreduktionen auch auf die Ursachen zurück. Können sie das Ganze aber auch nich schlimmer machen?

 

Diesen Eindruck habe ich allerdings.

 

Ängste und Zwänge können unterschiedlichste Ursachen haben. Von genetischen oder epigenetischen Faktoren über Traumata, psychischer Überlastung, körperlichen Faktoren, Drogenmissbrauch oder nicht bewältigter innerer Konflikte (und wohl noch einiges mehr). Vieles davon traf bei mir zu. Ich kann nun behaupten, viele Therapieformen (inklusive pharmakologischer Unterstützung - also Medikamente) selbst erlebt haben zu dürfen. Gerade bei den Zwängen wirkt es sehr befreiend, wenn diese weniger werden.

Aber - und das gilt in meinem Fall sowohl für die Ängste wie für die Zwänge - ich hatte und habe teilweise das Gefühl, dass diese Expositionen zumindest langfristig das Ganze eher noch verschlimmerten. Warum? Wenn der Kochtopf überläuft, kann man erstmal mit Gewalt den Deckel drauf drücken. Dann bleibt die Suppe zunächst drin - und die Familie ist froh. Unter der Oberfläche aber brodelt es weiter...

 

So bei mir. Für mich bedeutete diese Symptomreduktion zwar erstmal eine Erleichterung (einzelne Expositionen hatten allerdings teils auch traumatische Konsequenzen, die mich weit zurückgeworfen haben), darunter aber brodelte und brodelt es weiter. Das verzögert wirkliche Heilung und bedeutete - zumindest für mich - ständige Qualen. An den Ursachen hat sich offenbar gar nichts geändert und die alleinige Reduktion der Symptome, die ja eine psychische Funktion hat und den Ursachen Ausdruck verleiht, ließ die Ursachen schutzlos ans Tageslicht treten.

 

Ich war und bin zutiefst unzufrieden mit dem gegenwärtigen Habitus, die kognitive Verhaltenstherapie bzw. die Konfrontation/Exposition mit angstbesetzten Reizen als Allheilmittel zu sehen und sich bestätigt zu fühlen, wenn die Symptome erstmal zurück gehen.

 

Wie ich das Ganze für mich gelöst habe? Zunächst einmal habe ich mich für viel Geld selbst aus- und fortbilden lassen. Ich war unzufrieden und neugierig, was für mich ein guter Motivator war.

Heute weiß ich weitaus besser, wie sich das alles bei mir eintwickelt hat, wo ich eingreifen kann und sollte und wo nicht.

 

Vor allem aber bin ich weg gekommen von dieser unseligen Klassifizierung nach ICD-10, die auch die Grundlage für die Abrechnungen mit den Kassen liefert.

 

Ein Beispiel: Wenn du eine Blinddarmentzündung hast und allein im Wald stehst, hast du immer noch eine Blinddarmentzündung, die schnell zum Tod führen kann. Wenn du eine psychische Störung nach ICD-10 hast und alleine im Wald stehst, bist du dann immer noch "krank"?

 

Die Kriterien, die zur Definition von psychischer Störung herangezogen werden, stehen meiner Meinung nach auf sehr wackligen Beinen.

 

Nein, ich sage nicht, alle sollen nun aufhören, vewrordnete Tabletten zu nehmen und nicht mehr zum Arzt oder Therapeuten gehen. All das hat durchaus seinen Nutzen.

 

Was ich sage, dass hier ein grundsätzliches Umdenken erforderlich ist, das ich jedoch noch nicht mal ansatzweise erkennen kann.

Ein weiteres Beispiel: Ohne das, was heute oftmals als "psychische Störung" definiert wird, wäre vieles in der menschlichen Entwicklung so vielleicht nicht oder erst viel später möglich gewesen. Eventuell wäre sogar die Evolution an sich anders verlaufen. Es sind diese "speziellen" (ich sage nicht "besseren"!) Menschen, die auf Ideen und Problemlösungen kommen, die andere nicht einmal vermuten würden. Menschen mit einem ungewöhnlichen Potential.

 

Ich sehe mich nicht als "krank" oder "gestört". Ich arbeite, leiste meinen Beitrag zur Gesellschaft - und vor allem lebe ich. Ohne Stempel, ohne Schublade.

 

Ganz einfach ich.

 

Robert Gollwitzer

www.robert-gollwitzer.com

 

(Weiterveröffentlichung als Ganzen nur mit Angabe des Autors und des Links gestattet)

Konfrontationstherapie - ein Allheilmittel?

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Seit Jahrzehnten wird die Konfrontationstherapie (auch "Exposition" oder bei der extremen Version "Flooding" genannt) als Allheilmittel gegen Ängste und Zwänge angewendet und empfohlen. Ihre Wirksamkeit wird mit Studien belegt. Kritik wird mit der pauschalen Unterstellung vom Tisch gewischt, der Therapeut hätte sie nicht richtig angewendet.

 

Also alles gut - oder nicht?

 

Ich kenne beide Seiten der Medaille. Seit Jahrzehnten habe ich Angst- und später auch (teils extreme) Zwangsstörungen. Diese wurden unter anderem in einer Tagklinik behandelt. Vor einigen Jahren bin ich auf die "andere" Seite gewechselt und habe viele praktische und theoretische Aus- und Fortbildungen im Bereich Psychologie, Psychiatrie und Neurologie gemacht. Dennoch will ich hier nur meine persönlichen Erfahrungen teilen.

 

Wirkt diese Therapieform nun oder nicht?

 

Kommt darauf an, was man unter "wirkt" versteht. Ja, es kommt in

vielen Fällen zu einer teils drastischen Symptomreduktion. Auch bei mir haben sich die Zwänge in wenigen Wochen zurück entwickelt.

Dennoch muss hier radikal umgedacht werden. Was sich hier reduziert, sind - in der Regel - die Symptome. Bei den Ursachen sieht es ganz anders aus. Ja, teils wirken die Symptomreduktionen auch auf die Ursachen zurück. Können sie das Ganze aber auch nich schlimmer machen?

 

Diesen Eindruck habe ich allerdings.

 

Ängste und Zwänge können unterschiedlichste Ursachen haben. Von genetischen oder epigenetischen Faktoren über Traumata, psychischer Überlastung, körperlichen Faktoren, Drogenmissbrauch oder nicht bewältigter innerer Konflikte (und wohl noch einiges mehr). Vieles davon traf bei mir zu. Ich kann nun behaupten, viele Therapieformen (inklusive pharmakologischer Unterstützung - also Medikamente) selbst erlebt haben zu dürfen. Gerade bei den Zwängen wirkt es sehr befreiend, wenn diese weniger werden.

Aber - und das gilt in meinem Fall sowohl für die Ängste wie für die Zwänge - ich hatte und habe teilweise das Gefühl, dass diese Expositionen zumindest langfristig das Ganze eher noch verschlimmerten. Warum? Wenn der Kochtopf überläuft, kann man erstmal mit Gewalt den Deckel drauf drücken. Dann bleibt die Suppe zunächst drin - und die Familie ist froh. Unter der Oberfläche aber brodelt es weiter...

 

So bei mir. Für mich bedeutete diese Symptomreduktion zwar erstmal eine Erleichterung (einzelne Expositionen hatten allerdings teils auch traumatische Konsequenzen, die mich weit zurückgeworfen haben), darunter aber brodelte und brodelt es weiter. Das verzögert wirkliche Heilung und bedeutete - zumindest für mich - ständige Qualen. An den Ursachen hat sich offenbar gar nichts geändert und die alleinige Reduktion der Symptome, die ja eine psychische Funktion hat und den Ursachen Ausdruck verleiht, ließ die Ursachen schutzlos ans Tageslicht treten.

 

Ich war und bin zutiefst unzufrieden mit dem gegenwärtigen Habitus, die kognitive Verhaltenstherapie bzw. die Konfrontation/Exposition mit angstbesetzten Reizen als Allheilmittel zu sehen und sich bestätigt zu fühlen, wenn die Symptome erstmal zurück gehen.

 

Wie ich das Ganze für mich gelöst habe? Zunächst einmal habe ich mich für viel Geld selbst aus- und fortbilden lassen. Ich war unzufrieden und neugierig, was für mich ein guter Motivator war.

Heute weiß ich weitaus besser, wie sich das alles bei mir eintwickelt hat, wo ich eingreifen kann und sollte und wo nicht.

 

Vor allem aber bin ich weg gekommen von dieser unseligen Klassifizierung nach ICD-10, die auch die Grundlage für die Abrechnungen mit den Kassen liefert.

 

Ein Beispiel: Wenn du eine Blinddarmentzündung hast und allein im Wald stehst, hast du immer noch eine Blinddarmentzündung, die schnell zum Tod führen kann. Wenn du eine psychische Störung nach ICD-10 hast und alleine im Wald stehst, bist du dann immer noch "krank"?

 

Die Kriterien, die zur Definition von psychischer Störung herangezogen werden, stehen meiner Meinung nach auf sehr wackligen Beinen.

 

Nein, ich sage nicht, alle sollen nun aufhören, vewrordnete Tabletten zu nehmen und nicht mehr zum Arzt oder Therapeuten gehen. All das hat durchaus seinen Nutzen.

 

Was ich sage, dass hier ein grundsätzliches Umdenken erforderlich ist, das ich jedoch noch nicht mal ansatzweise erkennen kann.

Ein weiteres Beispiel: Ohne das, was heute oftmals als "psychische Störung" definiert wird, wäre vieles in der menschlichen Entwicklung so vielleicht nicht oder erst viel später möglich gewesen. Eventuell wäre sogar die Evolution an sich anders verlaufen. Es sind diese "speziellen" (ich sage nicht "besseren"!) Menschen, die auf Ideen und Problemlösungen kommen, die andere nicht einmal vermuten würden. Menschen mit einem ungewöhnlichen Potential.

 

Ich sehe mich nicht als "krank" oder "gestört". Ich arbeite, leiste meinen Beitrag zur Gesellschaft - und vor allem lebe ich. Ohne Stempel, ohne Schublade.

 

Ganz einfach ich.

 

Robert Gollwitzer

www.robert-gollwitzer.com

 

(Weiterveröffentlichung als Ganzen nur mit Angabe des Autors und des Links gestattet)