Robert Gollwitzer

Seelsorger. Berater. Aktivist. - Politisch. Katholisch. Leidenschaftlich.

Blog

Welchen Sinn hat das kirchliche Arbeitsrecht noch?

Posted on February 18, 2019 at 3:15 PM

Das besondere Arbeitsrecht für Kirchen ("Tendenzbetriebe") wird durch die EU-Gesetzgebung und durch einseitige Zugeständnisse der Deutschen Bischofskonferenz immer weiter ausgehöhlt. Zusätzlich scheinen kirchliche Organisationen keinen besonderen Wert mehr darauf zu legen, dass neue Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter katholisch sind und dies auch leben - auch und gerade privat. Mittlerweile geht vieles.


Warum also brauchen wir dann noch katholische Kindergärten, Altenheime, Krankenhäuser, Sozialarbeiter, wenn das dortige Personal eh wenig Wert auf den katholischen Glauben zu legen scheint?


Wenn ich guten Glaubens in ein katholisches Alten- und Pflegeheim gehe und dann feststellen muss, dass der überwiegende Teil des Pflegepersonals muslimischen Glaubens ist, dann ist das schlimmer, als wenn ich gleich in ein weltliches Heim gehe. Die geben wenigstens nicht vor, katholisch zu sein.


Das Argument, anderes Pflegepersonal sei eben nicht zu finden, lässt sich leicht entkräften: dann muss ich eben ehrlich sein und den christlichen Bezug aufgeben. Gottesdienste finden schließlich auch in weltlichen Heimen statt.


Noch schlimmer wird es, wenn christliche Heime Personal aus armen Ländern abwerben, wo sie dann noch dringender fehlen als bei uns. Das ist moralisch verwerflich.


Provozierende Gedanken - aber wie ich finde, durchaus notwendige - und ich sage das, weil mir etwas an der Kirche liegt.


Aufnahmestopp!

Posted on May 27, 2017 at 1:25 PM

Aufnahmestopp! Das habe ich eben an der Tür eines örtlichen christlichen Alten- und Pflegeheims in München gelesen. Dort hing ein Schreiben aus, dass man keine neuen Bewohner/innen mehr aufnehmen könne, da zwei examinierte Pflegefachkräfte das Haus verließen und neue nicht zu bekommen waren. Sie finden einfach keine bezahlbare Wohnung. Das ist eine Schande für die ganze bayrische Landeshauptstadt, die diese Entwicklung seit Jahren kennt und ihr Bauprogramm einfach nicht den Bedürfnissen der Münchnerinnen und Münchner anpasst. Bezahlbaren Wohnraum zu finden ist hier offenbar unmöglich - was sich mittlerweile zu einem gewaltigen Standortnachteil für die örtlichen Unternehmen auswächst. Das ist aber auch eine Schande für die Kirchen, die einen enormen Liegenschaftsbestand haben. Auch dort sind die Preise nicht gerade niedrig, was damit begründet wird, dass man mit den Spendengeldern wirtschaftlich umgehen und mindestens die örtsübliche Miete verlangen müsse. Abgesehen davon, dass der Mietspiegel nicht für Neuvermietungen gilt, wird auch dieses "mindestens" oft dehnbar gesehen. Fakt ist, dass die Kirchen die meisten dieser Liegenschaften geerbt haben, also umsonst bekommen haben. Fakt ist außerdem, dass sie steinreich sind (allein die Erzdiözese München und Freising hat nach eigenen Angaben ein Vermögen von ca. 5,5 Milliarden Euro - ohne die Stiftungen). Man kann also darüber hinaus durchaus verlangen, dass sie einen Teil ihres Vermögens für den Neubau von Wohnungen ausgeben. Das ist nicht ihr Kerngeschäft? Ist es doch! Die Bergpredigt ruft dazu auf, Bedürftigen beizustehen - und Menschen, die keine Wohnungen finden, sind allemal bedürftig. Auch sollten die Kirchen alternative Wohnmodelle entwickeln, die ihren christlichen Charakter widerspiegeln - und nicht wie bisher in Konkurrenz zum freien Wohnungsmarkt treten. Viele Angestellte der Kirchen in höheren Positionen sowie deren Geistliche (etwa Bischöfe) verdienen teils ungeheure Gehälter. Wie wäre es denn, wenn sie freiwillig auf einen Teil davon zugunsten der wirklich Bedürftigen verzichteten? Es ist immer leichter, schön dastehen zu wollen, indem man andere dazu auffordert, etwas zu tun oder zu lassen. Hier bietet sich mal die Chance, selbst die Armut und das geschwisterliche Teilen zu leben, zu der uns Jesus Christus ruft!