Robert Gollwitzer

Seelsorger. Berater. Aktivist. - Politisch. Katholisch. Leidenschaftlich.

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Offener Brief

Posted on May 3, 2020 at 1:40 PM

Offener Brief an die Kirche Präambel: Inmitten der "Corona-Krise" wende ich mich aus tiefstem Herzen und mit großer Sorge an die Kirche (insbesondere die Katholische Kirche, es dürften sich aber Parallelen in anderen christlichen Glaubensgemeinschaften finden). Hier vor allem an die Hirten - die Bischöfe und Priester, aber auch an jede und jeden einzelnen Gläubige/n. Wir alle sind gerufen - und nur wenige von uns haben geantwortet. In einer Zeit großer Not und Sorge, in der es traditionell selbstverständlich und wesensgemäß war, dass die Vertreter und Verantwortlichen der Katholischen Kirche ohne Rücksicht auf eine Verluste oder Gefahr den Gläubigen zur Seite standen, war die Kirche nunmehr (beinahe) nicht-existent. Keine Gottesdienste, keine Heiligen Messen und auch sonst wurde alles abgesagt. Laden zu. Wir haben fertig. In unverantwortlicher Art und Weise hat man sich der Staatsmacht mehr unterworfen, als diese gefordert hat. Anstatt die Sakramentenspendung kreativ zu gestalten, sodass diese auch weiterhin möglich ist, gab es einfach nichts. Nicht einmal juristisch hat man sich gegen unverhältnismäßige und völlig überzogene Maßnahmen zur Wehr gesetzt. Der für alle Christen geltende Missionsauftrag besteht darin, dass wir hinaus (!!) gehen, Menschen taufen und sie zu Jüngern Jesu Christi machen. Unsere Priester verkrochen sich bestenfalls in ihre Pfarrbüros. Wenn überhaupt. Das Gehalt kommt ja weiterhin aufs Konto, also warum zu viel Aufhebens machen? Einige wenige haben noch die Messe gefeiert und im Internet übertragen. Na immerhin. Anstatt die Heilige Messe alleine zu feiern (nun nicht mehr mit den Gläubigen, sondern für sie!), gehe ich mal davon aus, dass 99 % der Pfarrer eben gar keine Messe gefeiert haben. Das sagt schon einiges über ihr Glaubensverständnis aus... Keine Kontaktaufnahme mit den Gläubigen (ja, es gibt Telefon, E-Mail - oder auch den persönlichen Besuch mit Mindestabstand!), keine Organisation von Hilfsmaßnahmen (von Ausnahmen mal abgesehen), kein Tragen der Monstranz auf die Straßen, keine Beichte (mit Abstand...), keine Kontaktaufnahme mit Kranken oder Sterbenden (meiner Kenntnis nach) - nichts. Ich habe kürzlich einen Bericht vom "Sündenviertel" St. Pauli in Hamburg gesehen. Tiefbewegt durfte ich beobachten, wie dort Privatmenschen dafür sorgten, dass die Armen und Obdachlosen täglich etwas zu essen und trinken hatten! Die Gläubigen haben ihrerseits nun die Erfahrung gemacht, dass sie auch ohne die Kirche ganz gut zurecht kommen. Sie gingen durch eine schwere Zeit - und sie gingen alleine. Diejenigen, die es überstanden haben, werden sich nun möglicherweise überlegen, wofür sie denn eigentlich die Kirche noch brauchen. Gerade als gläubiger Katholik kann ich es ihnen noch nicht mal verdenken. Manchmal schießt es mir selbst durch den Kopf: "So eine Kirche braucht kein Mensch!" Wie nahe war Mutter Kirche in meiner Kindheit den Menschen gestanden! Wie viele verdanken ihr Trost, aufopfernde Pflege, Seelsorge - und manch einer gar sein Leben! Diese Kirche vermisse ich so sehr, dass es mir beinahe körperlich weh tut. Nein, an der jetzigen Situation sind nicht nur die Priester und Bischöfe schuld. Wir alle haben unseren Teil dazu beigetragen. An uns allen liegt es nun, das Ruder herumzureißen. "Ich kenne deine Taten. Du bist weder kalt noch heiß. Wärest du doch kalt oder heiß! Daher, weil du lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien." Offenbarung 3,15-16 Einheitsübersetzung 2016 München im Mai 2020 Robert Gollwitzer www.katholisch-leben.org

Wenn die Kirche wie die Welt ist

Posted on February 3, 2018 at 1:50 PM

Ich komme eben von der Abendmesse in einem örtlichen Altenheim zurück.

Der Gottesdienst war in ziemlich allen Teilen ein Spiegelbild der deutschen Katholischen Kirche.

Für gewöhnlich ist der Priester in ein Gespräch mit einem Mitglied des Pfarrgemeinderats vertieft, wenn ich den Raum betrete. Ein kurzer Händedruck - und fertig.

Abgesehen davon, dass ich der Ansicht bin, dass sich ein Priester - alleine! - geistig auf das vorbereiten sollte, was nun kommt (schließlich gibt es nichts im Universum, was größer ist als der Moment, an dem Himmel und Erde in der Wandlung aufeinander treffen!), so sollte doch (nach der Messe) ein Anteilnehmen am Leben der Gläubigen selbstverständlich sein.

Ich habe mir irgendwann gedacht, mach du doch den ersten Schritt - was aber höflich und bestimmt abgewiesen wurde.

Nun gut. Irgendwann wird das Geplauder beendet und nahtlos die Messe begonnen (wie kann man sich eigentlich geistig so schnell auf das Wesentliche konzentrieren?).

Die Messe beginnt wie üblich.

In der Regel fällt die erste Lesung komplett weg. Warum eigentlich? Die erste und zweite Lesung ergänzen sich wunderbar und gemeinsam mit dem Evangelium bilden sie eine großartige Einheit. Warum dies den Gläubigen vorenthalten?

Heute fallen die Lesungen kommentarlos komplett weg.

Ein Wunder, dass noch das Evangelium verlesen wird.

Die Predigt ist wie gehabt - eine theologische Abhandlung, bei der der Priester wohl mehr oder weniger bewusst zeigen will, was er gelernt hat. Schön und gut in der Uni - völlig fehl am Platz in einem Altenheim.

Wie üblich werden Bibelverse auch heute immer wieder mal kurz verwendet (missbraucht?), um das, was der Priester persönlich unter "Reformen" versteht, als gut und gottgewollt darzustellen (die theologische Darstellungsweise soll hier wohl noch zusätzliche Autorität verleihen). Im Englischen nennt man das "proof texting" - das Ausschneiden einzelner Bibelverse aus dem Kontext, um damit die eigene Meinung zu unterlegen und zu "beweisen".

Ebenfalls wie üblich ist die Predigt irgendwie richtig und irgendwie belanglos. Jedesmal frage ich mich, was denn eigentlich die zentrale Botschaft der Predigt ist. Und jedesmal habe ich keine Ahnung. Ich vermute, die anwesenden Alten noch viel weniger. Würde man irgendjemand nach der Messe nach der Predigt oder einer der Schriftlesungen fragen, würden wohl die wenigsten eine Antwort geben können.

Angesichts des Austreibens von bösen Geistern durch Jesus, von dem im Evangelium die Rede war, kommt ein kurzer Verweis darauf, dass dies eine "bildhafte Darstellung" (sprich eine Art Symbol und keineswegs die Realität) sei. Da werde ich zum ersten Mal zornig. Nicht nur, dass ganze Pfarreien seit Jahrzehnten nichts von Dämonen, bösen Geistern, Satan, Hölle und Verdammnis gehört haben, jetzt wird das sogar als "bildhaft" dargestellt. Das ist verantwortungslos für einen Hirten.

Ich denke mal, da werden einige spätestens nach dem Tod sehr überrascht sein.

Kurz vor dem Schlusssegen dann stellen sich die Kandidat*innen für die anstehende Pfarrgemeinderatswahl vor.

Nun ist es kein Geheimnis, dass ich den Pfarrgemeinderat als gutgemeintes, aber gescheitertes Experiment in Folge des II. Vatikanischen Konzils sehe. Hier wollen Laien, die wenig bis gar keine theologischen Kenntnisse haben, an kirchlichen Entscheidungen und Glaubensfragen beteiligt werden, von denen sie schlicht keine Ahnung haben. Gut gemeint und schlecht gelaufen. Eine Plage für unzählige Priester. Kein Wunder, dass diese eine Identitätskrise haben.

Ich höre jeder einzelnen Kandidatin zu (nur ein Mann darunter - ebenso ein Bild für unsere deutsche Kirche).

Bei keiner einzigen könnte man sagen, das hat wirklich etwas mit der Katholischen Kirche zu tun. Sie wollen alle Gutes tun, sich um das gemeinschaftliche Leben kümmern oder einfach "ihren Beitrag leisten" (wobei dies nicht näher bestimmt wird).

Was um Himmels willen unterscheidet so eine Gemeinde von einem atheistischen Nachbarschaftsverein? (Fast) gar nichts.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich bin der festen Überzeugung, dass sowohl die Kandidat*innen wie der Priester die besten Absichten haben. Das Gegenteil von "gut" ist aber "gut gemeint". Dieses "gut" ist leider nicht gut genug für die Kirche.

Kein Mensch braucht so einen Wohlfühl-Verein und es ist somit nur folgerichtig (wenn auch traurig), dass viele Menschen die Katholische Kirche in Deutschland verlassen (international steigt die Zahl der Katholiken!).

Menschen wie ich gelten als "aggressiv", "fundamentalistisch", "engstirnig", "altmodisch" (im Gegensatz zur eigenen, Möchtegern-fortschrittlichen Einstellung). Sei's drum.

Die deutsche Kirche ist am Schrumpfen. Das ist gut so und notwendig. Papst Benedikt hat das bereits 1969 in beinahe prophetischer Art und Weise vorausgesehen.

Wir müssen schrumpfen, um wieder zu dem zurückzufinden, was wir eigentlich sind:

Der Leib Christi.

München, 03.02.2018

Robert Gollwitzer

Sofortiger Stopp der staatlichen Subventionierung von kirchlichen Veranstaltungen!

Posted on May 28, 2017 at 10:55 AM

Ich bin selbst gläubiger Katholik. Als solcher fordere ich das sofortige Ende jeglicher staatlicher Unterstützung kirchlicher Veranstaltungen (wie etwa dem Kirchentag). Es ist nich Aufgabe des Staates, hier Steuermittel zuzuschießen! Das billige Argument, dass hier ja auch Menschenmassen angezogen werden, deren Konsum ja auch der Wirtschaft vor Ort zugute komme, ist hierbei belanglos. Die Kommunen vor Ort können gut und gerne für ihren eigenen Tourismus sorgen - und den Kirchen schadet es nichts, so zu planen, dass sie mit ihren eigenen Mitteln zurecht kommen. Von kirchlichen Großveranstaltungen halte ich sowieso nichts. Das ist reine Verschwendung und hat dauerhaft keine (positive) Wirkung. Die Mittel wären anderswo besser aufgehoben.