Robert Anton Gollwitzer

Seelsorger. Berater. Aktivist. - Politisch. Katholisch. Leidenschaftlich.

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Priester, die die Kirche verlassen

Posted on May 17, 2022 at 1:45 PM

Wenn ein katholischer Priester aus der Kirche austritt, weil ihm da einiges, für das er einst eingestanden hat, auf einmal nicht mehr passt, ist das sein Problem. Das Ganze theologisch begründen zu wollen, wirkt auf mich durchsichtig und vorgeschoben. Dann aber in einer anderen Gemeinschaft als "Priester" (der er ja gar nicht mehr ist!) anzufangen, das scheint mir beinahe peinlich zu sein. Auf manch einen mag das so wirken, als ob da jemand im selben Beruf bleiben will, weil er nichts anderes gelernt hat, auch wenn die Umstände dies eigentlich gar nicht mehr zulassen. Ein Elektriker kann bei einer Firma kündigen und bei einer anderen wieder anfangen - und bleibt dennoch Elektriker. Ein katholischer Priester hingegen, der die Kirche verlässt, exkommuniziert sich selbst und gibt damit sein Priesteramt auf. Woanders dann als "Priester" tätig sein zu wollen, ist schlicht nicht möglich, da er genau das nicht mehr ist. Er mag dieselben Riten und Handlungen vollziehen, sie bleiben jedoch inhaltsleer und verkehren sich fast in ihr Gegenteil. Dann lieber gleich konsequent sein und einen "richtigen" Job ergreifen! Richtig peinlich wirkt es aber auf mich, wenn ebendieser "Priester" dann aus seinem Schritt Geld machen will, indem er ein Buch schreibt und sein Handeln theologisch wie moralisch begründen will - womöglich noch, indem er mit dem Finger auf andere zeigt. Schämen Sie sich, Herr Pfarrer!

Ehemalige Priester

Posted on May 30, 2017 at 12:35 AM

Offenbar suchen eine ganze Reihe "ehemaliger" Priester eine neue Beschäftigung - als "Coach" (ein nicht geschützter Begriff - klingt gut und kann auch was heißen, muss es aber nicht), "systemischer Berater" ("systemisch" ist ja nach dem Abflauen der "Achtsamkeit" der neue Hype - wobei meist übersehen wird, dass die systemische Beratung bzw. Therapie zu recht auch kritisiert wird!), "Seelsorger" (trifft sich ja irgendwie gut - auch wenn die wenigsten eine fundierte Seelsorge-Ausbildung haben dürften), Paar-Therapeut (wenn man mal außer Acht lässt, dass die eigene Beziehung, wegen der sie meist ihr Priestertum aufgaben, nicht selten bald darauf in die Brüche geht und sie schwerlich in der Position sein dürften, über eine gelingende Ehe berichten zu können), Seminar-Leiter (kann ja irgendwie jeder machen), Hochzeits- oder Trauerredner (na ja...) oder als Schriftsteller (sind wir das nicht alle?). Wer sein eigenes Leben aber dermaßen brutal gegen die Wand gefahren hat, sollte vielleicht erst einmal eine Auszeit nehmen, bevor er als Berater tätig wird oder seine "Weisheit" anderweitig unters Volk bringt. Klingt hart, dürfte aber bei einigen den Nagel auf den Kopf treffen. Ach ja - bitte erspart uns doch die Selbstmitleids-Tour (nicht das Zölibat, noch die Kirche oder sonst wer sind an euren Entscheidungen schuld. Die Verantwortung hierfür habt ihr ganz alleine zu tragen!).