Robert Anton Gollwitzer

Seelsorger. Berater. Aktivist. - Politisch. Katholisch. Leidenschaftlich.

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Offener Brief an Autonome und Antifa

Posted on January 16, 2022 at 5:00 AM

Offener Brief an alle Anhänger der Antifa, Autonome und deren Anhänger

 

Ich habe die Kämpfe um die seinerzeit geplante WAA in Wackersdorf miterlebt und war damals und noch einige Jahre hinterher bei den Anarchos und kurzzeitig auch bei der Antifa. So sehr, dass der Verfassungsschutz seinerzeit vergeblich versuchte, mich anzuwerben.

Was ich bei euch heute sehe, hat mit dem, wofür viele von uns jahre- oder gar jahrzehntelang kämpften, nicht das Geringste zu tun - im Gegenteil. Da wir mit unserem Handeln damals aber möglicherweise mit dazu beigetragen haben, dass es euch gibt, schreibe ich dies. Eines dürft ihr mir glauben - einige von denen, mit denen ich seinerzeit gekämpft habe und mit denen ich noch im Kontakt bin, denken da wie ich.

Wir haben uns nie zum Richter über Gut und Böse aufgespielt und wir haben nie Andersdenkende als "Nazis" bezeichnet. Unser Kampf galt den Unterdrückern und denen, die gegen den Willen der Bevölkerung ihre Projekte durchsetzen wollten.

Was ich heute sehe, sind Menschen, die Anderen Grundrechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit absprechen und sie daran hindern wollen, diese wahrzunehmen - etwa indem sie sie am Reden hindern. Die andere als "Nazis" bezeichnen, ohne überhaupt Begriffe wie "Nazis" oder "Faschisten" definieren zu können. Die nicht einmal wissen, welche Programmpunkte von politischen Parteien denn nationalsozialistisch sein sollen und warum dies der Fall sei. Menschen, die Einrichtungen von Menschen mit anderer Meinung beschädigen und Andersdenkende körperlich angreifen und teils schwer verletzen. Menschen, die sich als "anti-rassistisch" begreifen, aber die Existenz von Rassen abstreiten und noch nicht einmal wissen, warum denn andere "rassistisch" sein sollen. Menschen, die intellektuell offensichtlich nicht in der Lage sind, Argumente von Andersdenkenden sachlich zu widerlegen und deshalb lieber zur Holzhammermethode greifen. Menschen, die gedankenlos eine unselige Agenda des Gender Mainstreaming verfolgen und sich wissenschaftlichen Argumenten völlig verschließen und damit instrumentalisieren und manipulieren lassen. Die antisemitisch sein wollen, deren Antisemitismus sich aber manchmal geschickt hinter einer angeblich linken Fassade versteckt.

All dies erinnert mich an unselige deutsche Zeiten.

Ich habe die Autonomen-Bewegung sowie die anarchistische Bewegung bundesweit viele Jahre lang verfolgt und war selbst Teil davon. Ich habe die Ursprünge der Grünen erlebt und durfte Petra Kelly und Gerd Bastian kennenlernen - Menschen, die sich angesichts der grünen Entwicklung wahrscheinlich im Grab umdrehen würden. Ich habe mir die Mühe gemacht, jahrzehntelang Aus- und Fortbilungen zu machen und bin genau aus diesem Grund heute - wie wohl eine Reihe meiner damaligen Genossen - politisch rechts.

Mit euch will ich nicht das Geringste zu tun haben. Ihr habt euch weit von dem entfernt, wofür wir gekämpft haben und teilweise offensichtlich gar ins Gegenteil gewandelt. Es wundert mich deshalb nicht, wenn Demonstranten EUCH heute "Nazis raus!" entgegenrufen.

Mit meinem Schritt will ich andere Kämpfer von damals ermuntern, das Gleiche zu tun und an die Öffentlichkeit zu gehen.

Euer Tun soll nicht unwidersprochen bleiben.

 

München im Januar 2022

 

Robert Gollwitzer