Robert Gollwitzer

Seelsorger. Berater. Aktivist. - Politisch. Katholisch. Leidenschaftlich.

Lebenserfahrung

Meine Hinwendung zu Menschen am Rande der Gesellschaft kommt wohl nicht von ungefähr. Ich habe selbst ein "bewegtes Leben" hinter mir. Alkohol, Drogen, Sex, Probleme mit der Polizei, Leben in Anarcho-Kommunen, Demonstrationen, Straßenschlachten und vieles mehr - daneben diverse schwere körperliche und psychische Erkrankungen (etwa eine beinah tödliche Hirnhautentzündung, etliche Operationen, Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen, Suizidversuche). Es gibt wohl wenig, dass ich noch nicht erlebt habe in dieser Hinsicht - mittlerweile gelte ich auch als schwerbehindert. Der Herrgott hatte aber Mitleid mit mir und mich aus einem Sumpf herausgeholt und mir mehrmals im wörtlichen Sinn das Leben gerettet. Mittlerweile bin ich ein gläubiger und praktizierender (ja, das muss man betonen - leider) Katholik. Trotzdem fühle ich mich noch denen verbunden, die so lange mein Leben geteilt haben. Ihnen gilt meine Liebe. Ihnen gilt mein Leben.


Mein vergangenes Leben sehe ich nicht als "dunklen Punkt in der Vergangenheit". Es ist Teil von mir und hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin. All diese Erfahrungen haben mich außerdem dazu befähigt, Menschen in besonderer Art und Weise beizustehen. Ich sehe mich nicht als Opfer, sondern habe volle Verantwortung für mich und mein Leben übernommen. Auch meine diversen Erkrankungen sehe ich nicht einfach nur als körperliche oder seelische Leiden, die sie zweifelsohne waren und sind. Sie haben in gewissem Sinn mein Leben sogar bereichert und mich psychisch wie spirituell reifen lassen. Manches sehen wir als Erkrankung an, als etwas sehr Negatives also. Tatsächlich aber ist die Ursache hierfür manchmal, dass wir einfach anders empfinden und denken als andere Menschen. Das aber ist weder gut noch schlecht und nicht immer nur eine "Krankheit" oder "Störung". Im Gegenteil - es kann im Leben sogar ein Vorteil sein, jedenfalls durchaus auch eine Gabe und ein Geschenk.



“The world is indeed full of peril, and in it there are many dark places; but still there is much that is fair, and though in all lands love is now mingled with grief, it grows perhaps the greater.”
― J.R.R. Tolkien, The Fellowship of the Ring