Robert Gollwitzer

Seelsorger. Berater. Aktivist. - Politisch. Katholisch. Leidenschaftlich.

Miserere Nobis

Folgende Punkte beschreiben unsere Tätigkeit und unsere Überzeugungen:


  • Wir sind katholisch.
  • Als solche sind unsere Grundlagen die Heilige Schrift, das Lehramt und die Tradition der Kirche sowie der Katechismus der Katholischen Kirche.
  • Trotzdem sind wir eine unabhängige Organisation.
  • Unser Auftrag ist es, Katholikinnen und Katholiken mit ungewollten gleichgeschlechtlichen Neigungen eine helfende Hand anzubieten.
  • Wir betreiben keine Therapie, sondern bieten Seelsorge, Einzel- und Gruppenberatung, Seminare und Informationen für Interessierte an.
  • Auf Wunsch bieten wir aber auch Menschen unsere seelsorgerische Begleitung an, die sich für ein schwules Leben entschlossen haben.
  • Wir sind hierfür bestrebt, uns laufend fortzubilden.
  • Wir sehen uns solidarisch mit ähnlichen Einrichtungen ("Ex-Gay Ministries").
  • Bei Bedarf werden wir auch in der Öffentlichkeit tätig.
  • Wenn möglich, versuchen wir auch den Kontakt zu uns bekannten Priestern zu vermitteln.


 https://www.misererenobis.org



Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, dona nobis pacem.

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, erbarme dich unser.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, erbarme dich unser.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, gib uns deinen Frieden.

Mit "Miserere Nobis" wollen wir uns besonders der Gnade und dem Erbarmen Gottes anvertrauen. So wie Jesus als das Lamm Gottes starb, um die Welt von der Macht der Sünde zu erlösen, wollen auch wir unser altes Selbst hinter uns lassen.

Nur indem wir alles aufgeben, können wir alles empfangen und zu dem Menschen werden, zu dem wir erschaffen wurden: geliebte Kinder Gottes, die das Ebenbild des Herrn in sich tragen.

Dies gibt uns Wert und eine Identität.

Wir geben uns dem hin, der uns erschaffen hat, auf dass unsere Seele gesund wird.



Immer wieder kommt es vor, dass jemand uns (in der Regel mit juristischem Halbwissen) reflexartig nach einem kurzen Blick auf unsere Homepage „Konversationstherapie“ unterstellt und nach Bestrafung schreit. Selbst Organisationen sind dann schnell dabei, Hinweise auf uns in den Sozialen Medien wegen "verbotener Konversionstherapie" zu löschen. Das "Wissen" darum basiert für gewöhnlich auf Hörensagen und Gerüchten, die ungeprüft übernommen werden.
Wer unsere Seite auch nur ein bisschen genauer ansieht, merkt schnell, welcher Unsinn das ist und dass solchen Behauptungen jegliche Grundlage fehlt. Diese Mühe machen sich aber viele nicht. Es ist halt einfacher, Andersdenkende zu kriminalisieren, dann muss man sich nicht mit ihnen auseinandersetzen und gibt sich selbst den Anstrich der (Schein-)Heiligkeit. Toleranz und Meinungsfreiheit gelten für manche offenbar nur für die eigene Meinung. Wir begrüßen all die, die offen und unvoreingenommen Interesse an uns zeigen!

„Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten. Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben.“ Johannes 16,2-3 Einheitsübersetzung 2016

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Unfortunately, it oftentimes happens that someone accuses us of „conversion therapy“ – usually with some kind of knee-jerk reaction after a quick look at our homepage (and in addition to that with little legal knowledge). They then call for legal punishment. Even organizations are quick to delete hints to us on social media due to "forbidden conversion therapy". Basically they take their "knowledge" from unchecked hearsay.
Whoever takes at least a brief look at our ministry realizes soon what nonsense that is and that there is no grounds whatsoever for such accusations. Few, however, take that effort. It seems tob e easier for them to criminalize people with different opinions. Like that you do not have to deal with them and their arguments and appear to be „holy“. Tolerance and freedom of thought and speech seem to apply for some only for their own worldview. We greet all those who show unconditional interest in us!

„They will put you out of the synagogue; in fact, the time is coming when anyone who kills you will think they are offering a service to God. 3 They will do such things because they have not known the Father or me.“ John 16:2-3 (NIV)



"Ihr verleugnet euch doch nur selbst! Auch Leute von euch haben immer wieder schwulen Sex! Euer Programm ist doch nur Mist!"

Auch das bekommen wir immer wieder zu hören. Was also ist mit diesen Behauptungen?

Natürlich passiert es auch, dass Mitglieder von uns mal ihre eigenen Standards brechen und schwulen Sex haben. Macht das die Standards schlecht? Oder schwulen Sex gut? Das ist eine ebenso falsche wie absurde und unlogische Schlussfolgerung.

Wer so denkt, müsste logischerweise auch folgendem zustimmen:

- Alle Christinnen und Christen sündigen. Also ist die Lehre des Christentums falsch.
- Es kommt vor, dass Alkoholiker im Entzug wieder rückfällig werden. Deshalb ist es unsinnig, entziehen zu wollen.
- Mir ist bewusst, ich muss mich gesünder ernähren. Schließlich waren meine Blutwerte wieder mal so schlecht. Gestern aber habe ich wieder eine große Portion Schweinebraten gegessen. Ich will mich also nicht mehr selbst verleugnen, sondern halte es für besser und richtig, von nun an nach Herzenslust zuzulangen.
- usw.

Derartige Annahmen führen also zwangsweise zu unsinnigen Schlussfolgerungen. Für sich zu erkennen, was gut und richtig ist, wird nicht dadurch geschmälert, dass ich ab und an davon abweiche und falle. Es bedeutet vielmehr, dass mir gerade deshalb bewusst wird, wie wichtig es trotz allem ist, wieder aufzustehen und mich wieder in Richtung meines für richtig erkannten Ziels zu bewegen!




Wenn ein schwules Leben so schön und toll - und vor allem auch nicht anders als ein heterosexuelles - ist, warum haben dann so viele Männer, die Sex mit Männern haben, ansteckende Geschlechtskrankheiten mit teils tragischen Folgen? Warum gleichen sich die Lebensläufe von vielen Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen in etlichen Punkten (keine emotionale Bindung zum gleichgeschlechtlichen Elternteil, körperlicher/verbaler/psychischer/sexueller Missbrauch)? Warum sind schwule Beziehungen (besonders bei Männern) weitaus weniger monogam und weitaus kurzlebiger als heterosexuelle Bindungen? Warum ist der Sex vor allem bei schwulen Männern im Durchschnitt weitaus extremer als bei heterosexuellen - mit teilweise physischen oder psychischen Folgeschäden? Warum scheinen psychische Störungen bei Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen weitaus häufiger vorzukommen? Warum ist der Drogenmissbrauch in der schwulen Szene so hoch?

Alles Faktoren, die in der Regel nicht einfach auf die Gesellschaft geschoben werden können, sondern zumindest teilweise auch im Verantwortungsbereich der Einzelnen liegen...



Wer miterleben musste, welche körperlichen, psychischen und möglicherweise auch spirituellen Konsequenzen ein jahrelanges Leben in der Schwulenszene für die Betroffenen hatte, kann nur den Kopf schütteln über die Weigerung von Ärzten, Therapeutinnen und der Gesellschaft insgesamt, dies anzuerkennen und Folgen daraus zu ziehen. Wer selbst erfahren hat, dass Sex nicht heilt und keine unerfüllten Bedürfnisse stillt, wer es satt hat, dass ihm/ihr immer nur gesagt wird "Dann tu's doch einfach, wenn dir danach ist!", weiß auch, was es bedeutet, wenn sich völlige Gleichgültigkeit und Inkompetenz hinter scheinheilig-besorgten Phrasen verbirgt. Menschen, die immer nur politisch korrekte Antworten auf ihre offenen Fragen bekommen haben, die doch nur das Gewissen der Gesellschaft beruhigen sollen, sind froh um jede helfende Hand, die sich ihnen bietet. Sie sind dankbar um jede/n, der/dem es nicht egal ist, ob diese Phrasen sein Anliegen wirklich verbessern, sondern der sich offen und selbstlos seiner/ihrer annimmt und ihm/ihr mit bedingungsloser Liebe begegnet.



Unser Material wird nicht dazu benutzt, für die Idee einer Konversionstherapie Werbung zu machen oder sie gar durchzuführen. Sollten in alten Schriften oder Videos Stellen sein, die missverständlich so aufgefasst werden können, weisen wir unsere Klientinnen und Klienten regelmäßig darauf hin, dass es nicht (!) unser Ziel ist, aus "Homos" "Heteros zu machen, sondern Menschen zu Jesus zu bringen (bzw. denen, die keine Christinnen und Christen sind, bei der Erreichung ihres selbstgewählten Zieles beizustehen). Wir betreiben Seelsorge und keine Therapie.


Our resources are not being used to make publicity for conversion therapy or for offering such therapy. Should there be any such references in older writings of videos, we point out to our clients that our aim is not (!) to turn people from gay to straight, but to bring them to Jesus (or to help those who are not Christians reach their individual goal). We do Christian counseling and pastoral care, not therapy.


01. März 2021 | „Kann die Kirche gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften segnen?“
Eine Argumentationshilfe zur öffentlichen Vermittlung der römischen Lehraussage
Autor: Bernhard Meuser
Quelle: Bislang unveröffentlicht

Über Freundschaft, Ehe und Annahme

Viele, die sich Hoffnung gemacht hatten auf eine neue Sicht der Kirche auf gleichgeschlechtliche Beziehungen, wird es enttäuschen, dass das römische Lehramt für die Kirche keine Vollmacht erkennt, eine liturgische Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zu ermöglichen. Bevor man Papst Franziskus und der Kirche Hartherzigkeit und Intoleranz unterstellt, sind wir eingeladen, die Gründe für diese Entscheidung zu betrachten.

Anders als viele Gruppen in der Gesellschaft, sieht die Kirche in gleichgeschlechtlichen Beziehungen nach wie vor keine „Ehe“, auch wenn es manche Elemente gibt, die für beide Lebensformen charakteristisch sind. Auch hier gibt es Menschen, die einander Nähe und Vertrauen schenken und in tief empfundener Liebe einander verbunden sind. Dennoch sieht die Kirche in verbindlichen gleichgeschlechtlichen Beziehungen eher die Form einer Freundschaft. Das ist zunächst einmal nicht wenig, denn auch „Freundschaft“ ist eine Grundkategorie der Heiligen Schrift. Immerhin gibt es – folgt man Jesus – „keine größere Liebe“ (Joh 15,13) als die Hingabe des Lebens aus „Freundschaft“. Papst Franziskus hat erst kürzlich ausdrücklich gutgeheißen, wenn der Staat für Menschen in dieser Situation Rechtsformen schafft, die der Sorge füreinander und der wechselseitigen Absicherung einen guten Rahmen geben.

Auch wenn die Kirche nun aus bestimmte Gründen klarstellt: Es ist keine Ehe und darf auch nicht den Anschein einer Ehe bekommen, so gibt es doch Gründe für die Kirche umzukehren und Menschen mit gleichgeschlechtlichen oder anderen sexuellen Orientierungen auf eine neue Weise zu begegnen und sie im vollen menschlichen Sinn anzunehmen. Allzu oft in der Geschichte hat sich auch unsere Kirche und haben sich auch Verantwortliche der Kirche an der Ausgrenzung und Diffamierung von Menschen mit gleichgeschlechtlicher Orientierung beteiligt. Nicht zuletzt, um oft die eigene vermeintliche Wohlanständigkeit zu bestätigen. Gerade der Skandal um den sexuellen Missbrauch zeigt, dass die Frage nach dem angemessenen Umgang mit Sexualität eine neue, tiefe und ehrliche Auseinandersetzung in unserer Kirche braucht. Und das betrifft ausnahmslos jeden Menschen, insbesondere auch Gläubige und Amtsträger der Kirche.

Gebunden an Schrift und Tradition

Grundsätzlich gilt: Bei allem, was die Kirche denkt, ist sie gebunden an das, was sie aus der Begegnung mit Gott erfahren hat und was als Offenbarung in der Hl. Schrift und in der Tradition Niederschlag gefunden hat. Die Kirche ist keine Einrichtung, die aus sich heraus definieren könnte, was gut und böse, was richtig und falsch ist. Was sie weiß, weiß sie aus der Natur der Dinge und aus den Offenbarungen Gottes, wobei es in neuen Sachverhalten und neuen geschichtlichen Situationen oftmals auch ein neues Ringen um die rechte Unterscheidung von gut und böse, richtig und falsch gab und gibt - so auch in unserer Frage. Aber unter Berufung auf die Heilige Schrift und auf die frühe, apostolische und seither fortbestehende Tradition (die in Judentum und Islam geteilt wird) bleibt die Kirche bei ihrer Überzeugung, dass ausgelebte Sexualität letztlich nur in die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau gehört.

Während die Heilige Schrift auf die Entfaltung von Sexualität in gleichgeschlechtlicher Liebe nicht (oder nur in Form von Zurückweisungen) eingeht, ist in ihr der Sinn von Ehe reich entfaltet und tief in die christliche Anthropologie eingelassen. Beginnend mit den Schöpfungsberichten im Buch Genesis und durchgängig durch die gesamte Heilige Schrift spricht die Bibel in besonderer Weise von der geschlechtlichen Liebe zwischen Mann und Frau. Die Heilige Schrift kennt in sexueller Hinsicht keine sich selbst genügenden Männer- und Frauenwelten. Die Komplementarität der Geschlechter gehört zu den Urgegebenheiten der Schöpfung. Nicht im Mann findet der Mann - und nicht in der Frau die Frau - die ebenbürtige „Hilfe“ (Gen 2,18) und das ersehnte “Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“ (Gen 2,23). Erst in der Selbstüberschreitung auf das andere Geschlecht hin, werden beide ein Leib und fruchtbar. Hier wie nirgends sonst, rücken Schöpfer und Geschöpf in unmittelbare Nähe: Der Gott, der aus Liebe Leben hervorgebracht hat, beruft Menschen, damit im Bund der Liebe das Getrennte der Geschlechter zusammenkommt, um das Wunder neuen Lebens hervorzubringen. „Sie werden ein Fleisch“ (Gen 2,24), darin fruchtbar und zum Abbild der lebensspendenden Liebe Gottes.

Weil sich Teilhabe an Gottes schöpferischer Liebe in der Hochzeit von Mann und Frau verwirklicht, wird „Hochzeit“ zum wirkmächtigen Bild der Beziehung, die Gott selber mit seinem Volk verbindet. Wie ein Bräutigam wirbt Gott immer neu um die wankelmütige Braut Israel. Auf dem Weg durch die Geschichte „heiratet“ Gott diese Braut (vgl. Hos 2,16-22), die gleichwohl immer wieder untreu wird. Jesus selbst ist letztlich der eigentliche, der endgültige „Bräutigam“ des neuen Hochzeitsbundes, die Jünger sind die „Hochzeitsgäste“ (Mk 2,19). Seine „Inkarnation“ ist die Überbietung aller Vereinigungen von Gott und seiner Schöpfung. In Jesus Christus selbst heißt es nämlich von Gott und Mensch „und sie werden ein Fleisch“. So tief reicht die Analogie, dass auch die Eucharistie, die Quelle und Höhepunkt allen kirchlichen Lebens ist, als das „Hochzeitsmahl des Lammes“ gefeiert wird, endgültige Besiegelung des Bundes zwischen Gott und seiner Schöpfung, zwischen Christus und seiner Braut, der Kirche. Keine andere Religion kennt einen fleischgewordenen Gott.

Die christliche Sexualethik hat daher immer auch von der „Natur“ her gedacht, besser gesagt von der physiologisch aufeinander bezogenen Natürlichkeit von Mann und Frau. Gleichgeschlechtlicher Sex wurde von hier als Imitat beurteilt, denn die körperliche Sehnsucht nach Vereinigung kann hier nicht zur Fruchtbarkeit in einem Kind führen. Schrift und Überlieferung beurteilen aber – und das ist wichtig – konsequent nicht die Neigung, wohl aber praktizierte Homosexualität als „Sünde“ – eine Feststellung, die auch in neuen Versuchen biblischer Deutung zum Thema nicht einfach wegerklärt werden kann. Denn nirgendwo in Schrift, Überlieferung und lehramtlichen Äußerungen findet sich eine positive Wertung gleichgeschlechtlicher sexueller Praxis.

Was die Kirche nicht tun kann

Das alles klingt wie eine einzige Absage an Menschen, die sich nicht im komplementären Schema wiederfinden und doch ihrer Liebe auch einen körperlichen Ausdruck verleihen möchten. Sagen wir zunächst in gebotener Nüchternheit, was die Kirche nicht kann: 1. Sie kann den Segen, der auf der Ehe liegt, nicht auf andere Formen menschlicher Gemeinschaft übertragen. Die Kirche kann 2. auch nicht dispensieren von dem Auftrag an die Gläubigen, ein „neues Leben“ zu leben, das ihnen in der Taufe zugleich geschenkt, wie aufgegeben ist. Das heißt: Hingabe an den einen, in Jesus Christus endgültig offenbar gewordenen Gott, bedeutet im gleichen Atemzug: Fortwährendes Bemühen um eine Absage an alles, was den Menschen sonst dominieren könnte, etwa an das, was Paulus als „Werke des Fleisches“ (Gal 5,20-21) bezeichnet. Das will sagen: Kein Christ, welcher sexuellen Orientierung auch immer, darf sich ungebremst seinen Triebimpulsen hingeben und beispielsweise mit Promiskuität, Pornographie oder der sexuellen Instrumentalisierung anderer Menschen anfreunden. Die Kirche kann schließlich 3. keine Segensliturgie installieren, in der die Betroffenen wie die Öffentlichkeit eine quasisakramentale Legitimierung von etwas sehen würden, was in der Heiligen Schrift „Sünde“ genannt wird. Schon in seinem großen Lehrschreiben über die „Freude der Liebe“ (Amoris laetitia, 2016) sah Papst Franziskus „keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn.“ (AL 2351)

Was kann aber die Kirche tun?

1. In der Kirche gibt es keine Unterscheidung zwischen Menschen, die „in Ordnung“ sind und solchen die „nicht in Ordnung“ sind. Alle sind Sünder, und es gibt keinen Menschen, der seine Natur ungebrochen erfährt. Und keinen, der nicht erlösungsbedürftig wäre. Gerade in sexueller Hinsicht ist wohl jeder Mensch in einem lebenslangen Prozess des Lernens - einschließlich der Erfahrungen von Scheitern; ein Prozess, der im gelingenden Fall zu einer immer besseren Integration seiner Triebwünsche in das Ganze der Liebe führt. Wer von der Liebe her sein Leben strukturiert, macht das Entscheidende richtig. So heißt es auch in 1 Petr 4,8: „Vor allem haltet fest an der Liebe zueinander; denn die Liebe deckt viele Sünden zu.“ Die Gebote Gottes, sagt Kardinal Schönborn, „sind nicht graduell. Du kannst nicht ein bisschen töten – töten ist töten. ... Die klassische Lehre sagt, in der Verwirklichung der Gebote Gottes ist unsere Praxis oft graduell. Wir verwirklichen nicht das volle Programm, wir sagen damit aber nicht, dass das Teilprogramm schon genügt. Eine Gradualität der Verwirklichung der Gebote Gottes ist einfach ein Ausdruck für die Begleitung von Menschen, die auf dem Weg sind. Und wir sind alle auf dem Weg.“[1]

2. Die Kirche muss das Gute, und wie man es erreicht, auf neue Weise durchdenken – und daher auch neu handeln lernen. Mit der einzigen abstrakt formulierten Alternative von „das ist erlaubt“ und „das ist verboten“ hilft man Menschen nur begrenzt in ihrer realen Situation, - ob es sich nun um voreheliche Beziehungen, wiederverheiratete Geschiedene oder Menschen in gleichgeschlechtlichen Verbindungen handelt. Die Kirche muss das Gute zum Leuchten bringen und Menschen, die es erlangen möchten, selbstlos und nachhaltig auf dem Weg zu einem gelingenden Leben begleiten. Dabei muss die Kirche im Respekt vor dem freien Individuum ihre Prinzipien keineswegs aufgeben; aufgeben muss sie ihre Versuchung zur Verurteilung und Ausgrenzung von Menschen. Gott allein richtet – auch uns. Augustinus sagt: „Viele, die drinnen sind, sind draußen, und viele, die draußen sind, sind drinnen."[2]

3. Die Kirche sieht und würdigt die Anstrengungen, die Menschen gleich welcher Orientierung unternehmen, um aus einem Modus apersonaler (oft genug süchtiger) Befriedigung hin zu einem Leben in Beziehung, Liebe und dauerhafter Verlässlichkeit zu kommen. Aus vielen Selbstzeugnissen wissen wir, wie herausfordernd das gerade im Fall von männlicher homosexueller Orientierung ist, wo sich Betroffene nicht selten auf eine Unterscheidung zwischen sexueller und sozialer oder emotionaler Treue berufen. Liebe zielt aber auf das Ganze des Menschen, auf eine Treue, die nicht einfach teilbar ist. Daher ist auch die Kirche aufgerufen, nicht jede Form geteilter sexueller Beziehungen außerhalb einer Ehe unter dasselbe einsinnig negative Urteil zu stellen. Papst Franziskus sagt in Amoris Laetitia (301): „Die Kirche ist im Besitz einer soliden Reflexion über die mildernden Bedingungen und Umstände. Daher ist es nicht mehr möglich zu behaupten, dass alle, die in irgendeiner sogenannten ‚irregulären‘ Situation leben, sich in einem Zustand der Todsünde befinden und die heiligmachende Gnade verloren haben“.

4. Die Kirche achtet die Freiheit derer, die von sich sagen, dass sie nicht anders können oder nicht anders wollen können, als ihre Neigung auch in Partnerschaft auszuleben. Sie achtet die Freiheit derer, die es auch gläubig vor Gott tun, die es in aufrichtiger Gewissensentscheidung tun – auch im Wissen darum, dass es in Dissonanz zu Schrift und Überlieferung steht. Das ist ein echtes Dilemma, das die Kirche aber nicht einfach auflösen kann. Auch die Kirche muss eine Dissonanz – die zwischen Barmherzigkeit und Treue zu ihrer Lehre – aushalten und kann diese nicht vorschnell in Harmonie auflösen - auch wenn Kultur und Gesellschaft dahin drängen. Kein Hirte oder Lehrer der Kirche hat eine Lizenz, etwas vorbehaltlos gutzuheißen, was die gesamte Überlieferung nicht gut nennt.

5. Die Kirche will Menschen durch den Glauben letztlich in die Fähigkeit führen, ganzheitlich und absichtslos zu lieben. Eine solche Liebe ist lauter, sie ist „keusch“ im vollen Sinn des Wortes, weil sie den anderen Menschen nicht einfach „für sich“ liebt und begehrt, sondern an ihm selbst meint. Lieben christlich heißt, das Gut des Anderen wollen. Damit ist Keuschheit nicht eine defizitäre Weise zu lieben, sondern letztlich die Weise, wie Gott liebt, wie Jesus liebt – und als Lebens- und Lernprogramm jedem Menschen geschenkt und aufgegeben, der den Weg des Glaubens geht. Auch innerhalb einer Ehe wird es darum gehen, den Sexualtrieb so in ein reifes Miteinander der Eheleute zu integrieren, dass er Anteil an einer Ausdrucksform von Liebe wird, die den jeweils Anderen um seinetwillen meint.

6. Die Kirche muss die Willkommenskultur Jesu widerspiegeln, dem jede Berührungsangst fremd war. Sie darf glauben, dass Gott keinen Menschen vom Heil ausschließt, der es nicht selbst tut. Und sie darf gewiss sein, dass Gott für jeden Menschen und zu jedem Zeitpunkt seiner Entwicklung einen Weg hat. Die Kirche hat eine Bringschuld: Sie muss schwulen und lesbischen Menschen und allen anderen, die im Blick auf sexuelle Neigung und Identität jenseits dessen liegen, was Kirche für normal hält, ihre Freundschaft anbieten, ihnen eine Heimat und einen Schutzraum in der Kirche geben, - und nicht erst dann, wenn sie enthaltsam leben oder so sind, wie es der Katechismus gutheißt. Das wird ein langer pastoraler Weg sein, bei dem noch kaum deutlich ist, was er erforderlich macht an Lernerfahrung, Kennenlernen, Offenheit und aufeinander Zugehen. Aber Menschen in der Einsamkeit entzogener Annahme und entzogener vorbehaltloser Bejahung zu belassen, ist eine strukturelle Sünde.


______________________

[1] Was ist Gradualität? Kardinal Schönborn erklärt, Radio Vatican 23. Juni 2015

[2] Augustinus, de civitate dei 1,35


(Quelle: https://www.synodale-beitraege.de/de/synodalforen/synodalforum-iv/kann-die-kirche-gleichgeschlechtliche-lebensgemeinschaften-segnen. Abgerufen am 07.09.2021)



15. März 2021 | Über die Segnung von Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts
Responsum ad dubium der Kongregation für die Glaubenslehre | N.0157
Autor: Luís F. Kard. Ladaria SJ Präfekt
Quelle: Presseamt des Heiligen Stuhls

AUF DAS VORGELEGTE DUBIUM:
Hat die Kirche die Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts zu segnen?

WIRD GEANTWORTET:
Nein.

Erläuternde Note

In einigen kirchlichen Bereichen verbreiten sich Projekte und Vorschläge von Segnungen für Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts. Nicht selten sind solche Projekte durch den aufrichtigen Willen motiviert, homosexuelle Personen anzunehmen, sie zu begleiten und ihnen Wege des Glaubenswachstums anzubieten, „damit diejenigen, welche die homosexuelle Tendenz zeigen, die notwendigen Hilfen bekommen können, um den Willen Gottes in ihrem Leben zu begreifen und ganz zu erfüllen“[1].

Auf diesen Wegen können das Hören des Wortes Gottes, das Gebet, die Teilnahme an liturgischen Handlungen der Kirche und praktizierte Nächstenliebe eine wichtige Rolle bei der Förderung von Bemühungen spielen, die eigene Lebensgeschichte zu deuten sowie frei und verantwortungsbewusst die eigene Taufberufung anzunehmen, weil „Gott jeden Menschen liebt. Und Gleiches tut auch die Kirche“[2], indem sie jede ungerechte Diskriminierung ablehnt.

Unter den liturgischen Handlungen der Kirche sind Sakramentalien von besonderer Bedeutung: als „heilige Zeichen, durch die in einer gewissen Nachahmung der Sakramente Wirkungen, besonders geistlicher Art, bezeichnet und kraft der Fürbitte der Kirche erlangt werden. Durch diese Zeichen werden die Menschen bereitet, die eigentliche Wirkung der Sakramente aufzunehmen; zugleich wird durch solche Zeichen das Leben in seinen verschiedenen Gegebenheiten geheiligt“[3]. Der Katechismus der katholischen Kirche erläutert weiter: „Die Sakramentalien verleihen die Gnade des Heiligen Geistes nicht nach Art der Sakramente, sondern bereiten durch das Gebet der Kirche vor, die Gnade zu empfangen und mit ihr mitzuwirken“ (Nr. 1670).

Zur den Sakramentalien gehören Segnungen, mit denen die Kirche „die Menschen aufruft, Gott zu preisen, sie auffordert, seinen Schutz zu erbitten und sie ermahnt, sich seiner Barmherzigkeit mit der Heiligkeit des Lebens würdig zu erweisen“[4]. Darüber hinaus sind „sie in einer gewissen Nachahmung der Sakramente eingesetzt und beziehen sich immer und hauptsächlich auf geistliche Wirkungen, die sie kraft der Fürbitte der Kirche erlangen“[5].

Um der Natur der Sakramentalien zu entsprechen, ist es deshalb erforderlich, dass, wenn über einige menschliche Beziehungen ein Segen herabgerufen wird, abgesehen von der rechten Absicht derjenigen, die daran teilnehmen, die zu segnende Wirklichkeit objektiv und positiv darauf hingeordnet ist, die Gnade zu empfangen und auszudrücken, und zwar im Dienst der Pläne Gottes, die in die Schöpfung eingeschrieben und von Christus dem Herrn vollständig offenbart sind. Mit dem Wesen der von der Kirche erteilten Segnung ist daher nur vereinbar, was an sich darauf hingeordnet ist, diesen Plänen zu dienen.

Aus diesem Grund ist es nicht erlaubt, Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe (das heißt außerhalb einer unauflöslichen Verbindung eines Mannes und einer Frau, die an sich für die Lebensweitergabe offen ist) einschließen, wie dies bei Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts der Fall ist.[6] Das Vorhandensein positiver Elemente – die in sich betrachtet dennoch zu schätzen und hervorzuheben sind – in solchen Beziehungen ist trotzdem nicht in der Lage, diese zu rechtfertigen und sie daher rechtmäßig zum Gegenstand einer kirchlichen Segnung zu machen, weil diese Elemente im Dienst einer Verbindung stehen, die nicht auf den Plan des Schöpfers hingeordnet ist.

Da die Segnungen für Personen in Beziehung zu den Sakramenten stehen, kann darüber hinaus die Segnung gleichgeschlechtlicher Verbindungen nicht als zulässig angesehen werden, weil sie in gewisser Weise eine Nachahmung oder einen analogen Hinweis auf den Brautsegen darstellen würde,[7] der auf den Mann und die Frau herabgerufen wird, die sich im Sakrament der Ehe vereinigen, da „es keinerlei Fundament dafür [gibt], zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn“[8].

Die Erklärung der Unzulässigkeit von Segnungen der Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts ist daher weder eine ungerechte Diskriminierung noch enthält sie die Absicht, eine solche zu sein, sondern ruft die Wahrheit des liturgischen Ritus in Erinnerung und das, was dem Wesen der Sakramentalien zutiefst entspricht, so wie die Kirche sie versteht.

Die christliche Gemeinschaft und die geistlichen Hirten sind aufgerufen, Menschen mit homosexuellen Neigungen mit Respekt und Takt aufzunehmen; sie werden im Einklang mit der kirchlichen Lehre die am besten geeigneten Wege zu finden wissen, um ihnen das Evangelium in seiner Fülle zu verkünden. Diese Personen mögen gleichzeitig die aufrichtige Nähe der Kirche anerkennen – die für sie betet, sie begleitet, mit ihnen den Weg des christlichen Glaubens teilt[9] – und ihre Lehren mit aufrichtiger Bereitwilligkeit annehmen.

Die Antwort auf das vorgelegte Dubium schließt nicht aus, dass Segnungen einzelnen Personen mit homosexueller Neigung gespendet werden,[10] die den Willen bekunden, in Treue zu den geoffenbarten Plänen Gottes zu leben, wie sie in der kirchlichen Lehre vorgelegt werden; sie erklärt jedoch jede Segnungsform für unzulässig, die dazu neigt, ihre Verbindungen anzuerkennen. In diesem Fall würde die Segnung nämlich die Absicht zum Ausdruck bringen, nicht bestimmte Einzelpersonen dem Schutz und der Hilfe Gottes im oben genannten Sinne anzuvertrauen, sondern einen Entschluss und eine Lebenspraxis zu billigen und zu fördern, die nicht als objektiv auf die geoffenbarten Pläne Gottes hingeordnet anerkannt werden können.[11]

Gleichzeitig erinnert die Kirche daran, dass Gott selbst nicht aufhört, jedes seiner Kinder zu segnen, die in dieser Welt pilgern, denn für ihn „sind wir […] wichtiger als alle Sünden, die wir begehen können“[12]. Aber er segnet nicht die Sünde und er kann sie nicht segnen: Er segnet den sündigen Menschen, damit er erkennt, dass er Teil seines Liebesplans ist, und sich von ihm verändern lässt. Denn er „nimmt uns so, wie wir sind, aber lässt uns nie so, wie wir sind“[13].

Aus diesen Gründen verfügt die Kirche weder über die Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts im oben gemeinten Sinne zu segnen, noch kann sie über diese Vollmacht verfügen.

Papst Franziskus wurde in der dem unterzeichnenden Sekretär dieser Kongregation gewährten Audienz über das vorliegende Responsum ad dubium samt der Erläuternden Note informiert und hat ihre Veröffentlichung gutgeheißen.


Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 22. Februar 2021, dem Fest der Kathedra Petri.

Luís F. Kard. Ladaria SJ
Präfekt

✠ Giacomo Morandi
Titularerzbischof von Cerveteri
Sekretär
______________________
[1] Franziskus, Ap. Schreiben Amoris laetitia, Nr. 250.
[2] Bischofssynode, Abschlussdokument der 15. Ordentlichen Generalversammlung, Nr. 150.
[3] II. Ökumenisches Vatikanisches Konzil, Konst. Sacrosanctum Concilium, Nr. 60.
[4] Rituale Romanum ex Decreto Sacrosancti Oecumenici Concilii Vaticani II instauratum auctoritate Ioannis
Pauli PP. II promulgatum, De benedictionibus, Praenotanda Generalia, Nr. 9.
[5] Ebd., Nr. 10.
[6] Vgl. Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 2357.
[7] Der Brautsegen verweist nämlich auf den Schöpfungsbericht, in dem Gottes Segen über Mann und Frau im
Zusammenhang mit ihrer fruchtbaren Verbindung (vgl. Gen 1,28) und mit der Komplementarität von Mann und
Frau steht (vgl. Gen 2,18-24).
[8] Franziskus, Ap. Schreiben Amoris laetitia, Nr. 251.
[9] Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben Homosexualitatis problema über die Seelsorge für
homosexuelle Personen, Nr. 15.
[10] De benedictionibus enthält nämlich eine ausführliche Liste der Situationen, für die der Segen des Herrn
herabgerufen werden kann.
[11] Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben Homosexualitatis problema über die Seelsorge für
homosexuelle Personen, Nr. 7.
[12] Franziskus, Generalaudienz am 2. Dezember 2020, Katechese über das Gebet: der Segen.
[13] Ebd.
[00330-DE.01] [Originalsprache: Italienisch]

(Quelle: https://www.synodale-beitraege.de/de/synodalforen/synodalforum-iv/ueber-die-segnung-von-verbindungen-von-personen-gleichen-geschlechts. Abgerufen am 07.09.2021)


Die Tatsache, dass jemand körperliche Veränderungen hat (seien sie nun in den primären Geschlechtsmerkmalen, dem Gehirn oder der DNA), begründet noch lange kein "drittes Geschlecht", ebenso wenig wie gleichgeschlechtliche Empfindungen eine eigene sexuelle Identität darstellen. Erst recht nicht auf Grund der Selbstwahrnehmung in beiden Fällen. Derartiges anzunehmen ist absurd und führt - konsequent weiter gedacht - zu noch absurderen Schlussfolgerungen.



What do you mean when you talk about "false" or "new" identity?


We are not refering hereby to "homosexual" or "heterosexual". Many of us used sexual fantasies or acts subconsciously in order to numb legitimate needs or past hurts and forget about them for a while. Therefore, the "identity" that came out of this was oftentimes distorted. The more we now learn to forgive and to recognize and accept our needs, the more we acknowledge our true self.
For the Christians among us it also means to see one's identity in the One in whose image we were created.

It is not so much about being "false" or "right" in the colloquial sense, but in realizing and accepting one's self.


Was meint ihr, wenn ihr von "falscher" oder "neuer" Identität sprecht?

Hier beziehen wir uns nicht auf "homosexuell" oder "heterosexuell". Viele von uns haben sexuelle Phantasien oder Handlungen unbewusst dazu verwendet, legitime Bedürfnisse oder vergangene Verletzungen zu betäuben und sie eine zeitlang zu vergessen.
Die daraus entstandene "Identität" war deshalb oft verzerrt. In dem Maß, indem wir lernen zu verzeihen und unsere Bedürfnisse zu erkennen und erfüllen, erkennen wir auch unser wahres Selbst.
Für die Christinnen und Christen unter uns bedeutet dies weiterhin, die eigene Identität in dem zu erkennen, in dessen Abbild wir erschaffen wurden.

Es geht hier also weniger um "falsch" und "richtig" im umgangssprachlichen Sinn, sondern um das Erkennen, Wahrnehmen und Annehmen des eigenen Ichs.


"Ihr verleugnet euch doch nur selbst! Auch Leute von euch haben immer wieder schwulen Sex! Euer Programm ist doch nur Mist!"

Auch das bekommen wir immer wieder zu hören. Was also ist mit diesen Behauptungen?

Natürlich passiert es auch, dass Mitglieder von uns mal ihre eigenen Standards brechen und schwulen Sex haben. Macht das die Standards schlecht? Oder schwulen Sex gut? Das ist eine ebenso falsche wie absurde und unlogische Schlussfolgerung.

Wer so denkte, müsste logischerweise auch folgendem zustimmen:

- Alle Christinnen und Christen sündigen. Also ist die Lehre des Christentums falsch.
- Es kommt vor, dass Alkoholiker im Entzug wieder rückfällig werden. Deshalb ist es unsinnig, entziehen zu wollen.
- Mir ist bewusst, ich muss mich gesünder ernähren. Schließlich waren meine Blutwerte wieder mal so schlecht. Gestern aber habe ich wieder eine große Portion Schweinebraten gegessen. Ich will mich also nicht mehr selbst verleugnen, sondern halte es für besser und richtig, von nun an nach Herzenslust zuzulangen.
- usw.

Derartige Annahmen führen also zwangsweise zu unsinnigen Schlussfolgerungen. Für sich zu erkennen, was gut und richtig ist, wird nicht dadurch geschmälert, dass ich ab und an davon abweiche und falle. Es bedeutet vielmehr, dass mir gerade deshalb bewusst wird, wie wichtig es trotz allem ist, wieder aufzustehen und mich wieder in Richtung meines für richtig erkannten Ziels zu bewegen!


Wir machen keinerlei Therapien, wir empfehlen insbesondere keine Konversionstherapien und werben auch nicht für eine Teilnahme an einer derartigen Therapie noch vermitteln wir eine solche.

We offer no therapy whatsoever. Especially we do not recommend conversion therapies nor do we make any publicity for them.


Wir leisten keinerlei therapeutische Arbeit – weder psychotherapeutisch noch die Heilung körperlicher Erkrankungen betreffend. Menschen mit entsprechenden Problemen müssen sich an die örtlichen Fachmenschen hierfür wenden.

Weiterhin lehnen wir Konversionstherapien grundsätzlich ab.

Seelsorge für Minderjährige leisten wir nur mit Einverständnis der Eltern und dann nur im gesetzlichen Rahmen.

Wir bieten unsere Dienste und unsere Unterstützung sowohl Gays als auch Ex-Gays an, das heißt sowohl Menschen, die ihre gleichgeschlechtlichen Neigungen ausleben möchten als auch denen, die das nicht möchten.

Das Ziel einer seelsorgerlichen Beratung bestimmt alleine der Klient bzw. die Klientin.
Unsere Klientinnen und Klienten werden unabhängig von ihrer religiösen, politischen oder weltanschaulichen Einstellung beraten.

Wir respektieren die Menschen, mit denen wir zu tun haben und fordern diesen Respekt auch uns gegenüber ein.

„Heilung“ bedeutet in unserem Verständnis nicht etwa Heilung von einer Krankheit, sondern Heilung eines möglicherweise gebrochenen Verhältnisses zu Gott oder Mitmenschen, Heilung von inneren seelischen Verletzungen usw.

„Veränderung“ wird von unseren Klientinnen und Klienten auf unterschiedlichste Art und Weise erlebt: Manche erleben dies als Abnahme der Intensität, Art und/oder Häufigkeit sexueller Lust oder Phantasien, andere erleben diese Veränderungen – je nach selbst gesetztem Ziel – im privaten oder beruflichen Bereich, in der Familie, im eigenen Glaubensverständnis oder im persönlichen körperlichen und/oder seelischem Wohlbefinden. Manch eine/r entdeckt sogar lange verschüttet geglaubte heterosexuelle Empfindungen wieder. Keinesfalls aber bedeutet Veränderung, dass von Seiten unserer Seelsorger und/oder Berater eine Veränderung der sexuellen Orientierung angestrebt wird. Wenn Klientinnen und Klienten dies selbst aus ihrer eigenen Erfahrung berichten (etwa nach Glaubenserfahrungen), wird dies unsererseits mit Respekt zur Kenntnis genommen. Unsererseits wird derartiges aber weder angestrebt noch durchgeführt, beworben oder vermittelt. Sollte auf unserer Homepage ein Beitrag sein, der unserem Selbstverständnis widerspricht und wir dies irrtümlicherweise übersehen haben, bitten wir um entsprechende Benachrichtigung an unseren E-Mail Account free32@gmx.de und wir werden diesen Beitrag umgehend löschen.

Wir bieten unsere Zusammenarbeit und Unterstützung ausdrücklich auch homosexuellen Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen an.



Ist "Homosexualität" eine Krankheit?

Allein diese Frage würde Schwule schon auf die Palme bringen. Wie ein Kniereflex kommt es von deren Seite: "Homosexualität ist keine Krankheit und bedarf deshalb keiner Therapie".

Ist dem so?

In den 70ern wurde Homosexualität in den USA - und daraufhin auch in anderen Ländern - von der Liste der psychischen Störungen genommen. Ursache hierfür waren keineswegs neue medizinische Erkenntnisse (die gab es seinerzeit nicht und die gibt es heute nicht), sondern allein politischer Druck.

Sehen wir uns die Definition von Krankheit an, wie sie uns Wikipedia liefert:

"Krankheit ist ein Zustand verminderter Leistungsfähigkeit, der auf Funktionsstörungen von einem oder mehreren Organen, der Psyche oder des gesamten Organismus beruht und zurückgeht. Diese Störungen werden ihrerseits durch strukturelle Veränderungen von Zellen und Geweben hervorgerufen.
Die Lehre von den Krankheiten ist die Pathologie, während die Nosologie sich mit der systematischen Einteilung von Krankheiten beschäftigt.
(...)
Krankheit wird oft im Gegensatz zu Gesundheit definiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat allerdings Gesundheit auch schon 1946 als idealen Zustand optimalen Wohlbefindens definiert. Zudem ist Krankheit nicht die einzige mögliche Ursache für mangelhafte Gesundheit. Die Übergänge zwischen „Gesundheit“ und „Krankheit“ sind fließend. Vieles mag letztlich einfach eine Frage der Sichtweise sein, zumal der Ausdruck Krankheit keine biologische Konstante, sondern ein kulturelles wertbezogenes Konstrukt darstellt. So hat sich der Begriff Befindlichkeitsstörung für Einschränkungen des leiblichen oder seelischen Wohlbefindens ohne objektivierbaren medizinischen Krankheitswert eingebürgert. Andererseits können als krankhaft definierbare Zustände auch ohne subjektiven Leidensdruck vorliegen.

Die normale Funktion eines Organismus ergibt sich aus der Regelhaftigkeit der Lebensvorgänge; in unterschiedlichem Ausmaß beinhaltet sie die Fähigkeit zur Anpassung an veränderte innere und äußere Bedingungen. Ihre Beurteilung durch Menschen weist auch Abhängigkeit von deren Normvorstellungen auf.

Als Funktionsstörung kann Krankheit verschiedene Bereiche lebendigen Seins betreffen und sich in deren Wechselwirkungen entwickeln. Physiologische Funktionen sind wesentliche Eigenschaft des Lebens. Organismen existieren in komplexen Umwelten und erhalten, erneuern und verändern sich durch beständigen stofflichen und energetischen Austausch. Viele Arten von Organismen leben in sozialen Zusammenhängen. Zu den Funktionen des Lebens gehört auch Verhalten und höherentwickelte Organismen weisen emotionale Funktionen auf. Die Personalität und Sozialität von Menschen funktioniert auch in Abhängigkeit von ihrer kulturellen Welt.
(...)
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am 21. März 1958 definiert: „Krankheit ist jede Störung der normalen Beschaffenheit oder der normalen Tätigkeit des Körpers, die geheilt, d. h. beseitigt oder gelindert werden kann.“ Nach einer neueren Formulierung des Bundessozialgerichts (BSG) wird im Kranken- und Unfallversicherungswesen unter Krankheit „ein regelwidriger Körper- oder Geisteszustand, der ärztlicher Behandlung bedarf und/oder Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat“ verstanden. Dadurch ist der medizinische Krankheitsbegriff nicht deckungsgleich mit dem sozialrechtlichen. Entscheidende Kriterien für die Beurteilung als Krankheit im Sozialrecht sind:

Behandlungsbedürftigkeit (nicht bei altersbedingten Erscheinungen; kosmetischen Behandlungen, die rein ästhetischer Natur sind (wie beispielsweise Haartransplantation), sehr wohl jedoch, wenn eine anerkannte medizinische Notwendigkeit vorliegt (wie beispielsweise Korrektur der Nasenscheidewand oder Behandlung von Narben))
Wahrnehmbarkeit nach außen (z. B. Disharmonien der genetischen Werte erfüllen den Sachverhalt nicht)
Besserung des Leidens oder Verhütung von Verschlimmerungen (die Behandlung muss nach den Grundsätzen der ärztlichen Wissenschaft erfolgversprechend sein)"

Ist Homosexualität eine Funktionsstörung der Psyche oder liegt ihr eine Zellveränderung zugrunde? Das zu beantworten, wird wohl noch einige Jahrzehnte dauern.

Krankheit als Gegensatz zu Gesundheit bzw. zu optimalem Wohlbefinden zu definieren, ist eine mehr als zweifelhafte Definition. Folgt man der Logik dieser Argumentation, führt dies zu absurden Ergebnissen. Wenn alleine das subjektive Wohlbefinden über Krankheit oder Gesundheit entscheidet, so bedeutet das zum einen, dass Menschen mit ungewollten gleichgeschlechtlichen Neigungen, die darunter leiden, Anspruch auf eine Therapie haben. Es würde weiterhin bedeuten, dass Menschen mit wie auch immer gearteten sexuellen (oder sonstigen) Normabweichungen anführen können, dies sei nicht krankhaft, da sie sich subjektiv "wohl" fühlen.

Mit dieser Argumentation begibt man sich also auf Glatteis.

Wie sieht es mit dem Bezug auf "Normvorstellungen" aus? Norm kann vieles sein - das, was die Mehrheit tut oder eine mehrheitlich anerkannte Werte- und/oder Verhaltensgrundlage. Die Mehrheit der Bevölkerung hat keine gleichgeschlechtlichen Neigungen und praktiziert keinen gleichgeschlechtlichen Sex. Was die Akzeptanz, moralische Wertschätzung oder zumindest Gleichgültigkeit des überwiegenden Teils der Bevölkerung angeht, so wage ich hier keine Schätzung. Meine Erfahrung ist, dass selbst diejenigen, die nach außen eine "leben und leben lassen"-Mentalität haben, bei näherem Nachfragen bzw. wenn es die eigenen Kinder betrifft, doch schnell eine Ablehnung homosexuellen Handels aufweisen.

Ist Homosexualität "natürlich"?

Erneut eine Definitionsfrage. Wenn hiermit "sich aus den Gesetzen der Natur ergebend" gemeint ist, wohl eher nicht. Ist sie "in der Natur des Menschen begründet"? Wer vermag das zu beantworten?
Dient sie der Arterhaltung? Auch hier ein klares Nein.
Diese Frage eröffnet mehr weitere Fragen als dass sie Antworten liefert.

Ist Homosexualität eine "Störung der normalen Beschaffenheit des Körpers oder der Psyche" - und damit doch eine Krankheit?

Nun, sie entspricht zumindest nicht der normalen - also in der Mehrheit der Menschen vorzufindenden - Beschaffenheit. So gesehen also durchaus eine "Störung" oder "Regelwidrigkeit" (wie auch immer man diese Worte definieren mag).

Zusammenfassend kann man also durchaus sagen, dass die momentane Rechtslage und gelte politisch korrekte Meinung durchaus Anlass zu Rückfragen gibt. Diese Rückfragen müssen erlaubt sein - auch und gerade im Sinne der Betroffenen. Man hilft niemanden, wenn man alles schön redet oder der Wissenschaft einen politischen und juristischen Knebel verpasst.



Man darf also Männern was abschneiden und sie so zu "Frauen" machen, aber wenn man ihnen - auf eigenen Wunsch! - aus ihrem schwulen Leben heraus hilft, ist das "Konversionstherapie" [ist es übrigens nicht!] und man soll dafür auf dem Scheiterhaufen der Politik und Justiz landen? Was ist nur aus dem guten alten gesunden Menschenverstand geworden?



Unser Ziel ist nicht, aus "Homos" "Heteros" zu machen. Wir helfen Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer - ihre gleichgeschlechtlichen Neigungen nicht ausleben möchten. Wir stehen ihnen mit Seelsorge, Einzelgesprächen oder Gruppentreffen bei. Wer sind wir, ihnen vorschreiben zu wollen, dass sie das nicht dürfen?
Gleichwohl finden wir es bezeichnend, dass mittlerweile von Fachleuten und sogar innerhalb der schwulen Szene von einer "Fluidität" der menschlichen Sexualität gesprochen wird. Was nichts anderes heißt, als dass hier nichts für immer festgeschrieben ist, sondern durchaus einem Wandel unterliegt. Dennoch bekämpft man vehement "Umpolungsversuche". Beides jedoch ist nicht vereinbar. Entweder ist Sexualität fluide - und damit äußeren Einflüssen zugänglich - oder nicht.
Menschliche Sexualität wird von vielen verschiedenen internen und externen Faktoren beeinflusst. Selbst die Aktivierung oder Deaktivierung und sogar Neubildung (!) von Genen ist von Umweltfaktoren und vom Verhalten abhängig. Einfach gestrickte Aussagen mögen deshalb politisch motiviert sein, wissenschaftlich sind sie nicht.


Ist "Homosexualität" eine Krankheit?

13.06.2019 – Robert Gollwitzer



Allein die Fragestellung dürfte jeden politisch korrekten Menschen nach Luft schnappen lassen. Wie kann man das nur in Betracht ziehen?

Man kann, darf – und muss vielleicht sogar. Wissenschaft und Therapie sind schon lange nicht mehr frei. Sie sind dem Zeitgeist und der politischen Korrektheit unterworfen. Mediziner und Therapeuten plappern nach, was ihnen vorgesagt wird – und die meisten Menschen glauben ihnen, ohne ihren gesunden Menschenverstand zu benutzen. Ganz so einfach und logisch ist die Angelegenheit nämlich keineswegs.




„Homosexualität“ wurde erst ab den 70ern von der Liste der psychischen Störungen genommen. Nicht etwa aufgrund neuer medizinischer Erkenntnisse, sondern einzig und allein wegen des politischen Drucks der Schwulenbewegung.



Um oben genannte Frage zu beantworten, bedarf es vorab einer Begriffsklärung: Was meinen wir, wenn wir über „Homosexualität“ reden und was ist eine „Krankheit“?



Mit „Homosexualität“ bezeichnen wir die Tatsache, dass sich jemand überwiegend und über einen längeren Zeitraum hinweg in sexueller und/oder emotionaler Hinsicht zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt. Manche bevorzugen aber den Begriff "gleichgeschlechtliche Neigungen" und sehen „Homosexualität“ nicht als eigenständige Identität an.



„Krankheit“ wiederum wird von Wikipedia wie folgt definiert:

"Krankheit ist ein Zustand verminderter Leistungsfähigkeit, der auf Funktionsstörungen von einem oder mehreren Organen, der Psyche oder des gesamten Organismus beruht und zurückgeht.

(...)

Krankheit wird oft im Gegensatz zu Gesundheit definiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat allerdings Gesundheit auch schon 1946 als idealen Zustand optimalen Wohlbefindens definiert. Zudem ist Krankheit nicht die einzige mögliche Ursache für mangelhafte Gesundheit. Die Übergänge zwischen „Gesundheit“ und „Krankheit“ sind fließend. Vieles mag letztlich einfach eine Frage der Sichtweise sein, zumal der Ausdruck Krankheit keine biologische Konstante, sondern ein kulturelles wertbezogenes Konstrukt darstellt. (...)

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am 21. März 1958 definiert: „Krankheit ist jede Störung der normalen Beschaffenheit oder der normalen Tätigkeit des Körpers, die geheilt, d. h. beseitigt oder gelindert werden kann.“ Nach einer neueren Formulierung des Bundessozialgerichts (BSG) wird im Kranken- und Unfallversicherungswesen unter Krankheit „ein regelwidriger Körper- oder Geisteszustand, der ärztlicher Behandlung bedarf und/oder Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat“ verstanden. Dadurch ist der medizinische Krankheitsbegriff nicht deckungsgleich mit dem sozialrechtlichen.“



Viele Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen fühlen sich damit nicht wohl – unabhängig vom Urteil der Gesellschaft. Ihr „optimales Wohlbefinden“ wäre also zumindest gestört.

Krankheit als Gegensatz zur Gesundheit bzw. zum optimalem Wohlbefinden zu definieren, ist eine mehr als zweifelhafte Definition. Folgt man der Logik dieser Argumentation, führt dies zu absurden Ergebnissen. Wenn alleine das subjektive Wohlbefinden über Krankheit oder Gesundheit entscheidet, so bedeutet das zum einen, dass Menschen mit ungewollten gleichgeschlechtlichen Neigungen, die darunter leiden, Anspruch auf eine Therapie hätten. Es würde weiterhin bedeuten, dass Menschen mit wie auch immer gearteten sexuellen (oder sonstigen) Normabweichungen anführen könnten, dies sei nicht krankhaft, da sie sich subjektiv "wohl" fühlen.

Norm kann im Übrigen vieles sein - das, was die Mehrheit tut oder eine mehrheitlich anerkannte Werte- und/oder Verhaltensgrundlage. Die Mehrheit der Bevölkerung hat keine gleichgeschlechtlichen Neigungen und praktiziert keinen gleichgeschlechtlichen Sex. Was die Akzeptanz, moralische Wertschätzung oder zumindest Gleichgültigkeit des überwiegenden Teils der Bevölkerung angeht, so wage ich hier keine Schätzung. Meine Erfahrung ist, dass selbst diejenigen, die nach außen eine "leben und leben lassen"-Mentalität haben, bei näherem Nachfragen bzw. wenn es die eigenen Kinder betrifft doch schnell eine Ablehnung homosexuellen Handels aufweisen.



Da der BGH bei der Bewertung von Krankheit ausdrücklich auf die „normale“ Beschaffenheit und Tätigkeit des Körpers Bezug genommen hat, muss im vorliegenden Fall geklärt werden, ob „Homosexualität“ zur „normalen“ oder „natürlichen“ Beschaffenheit oder Tätigkeit des Körpers zählt.



Wenn mit „natürlich“ "sich aus den Gesetzen der Natur ergebend" gemeint ist, so ist dies eher zu verneinen. Ist sie dann "in der Natur des Menschen begründet"? Wer vermag das zu beantworten?

Dient sie der Arterhaltung? Auch hier ein klares Nein. Bedeutet das also, dass hier ein von der Norm abweichender Körper- oder Geisteszustand vorliegt? Ist Homosexualität eine "Störung der normalen Beschaffenheit des Körpers oder der Psyche"?

Nun, sie entspricht zumindest nicht der normalen - also in der Mehrheit der Menschen vorzufindenden - Beschaffenheit. So gesehen also durchaus eine "Störung" oder "Regelwidrigkeit" (wie auch immer man diese Worte definieren mag).

Bedarf „Homosexualität“ deshalb der ärztlichen Behandlung und führt zur Arbeitsunfähigkeit? Mit derselben Logik könnte man fragen, ob „Transsexuelle“ einer ärztlichen Behandlung bedürfen und möglicherweise arbeitsunfähig werden. Ein Bewertungskriterium hierfür dürfte wohl die persönliche Wahrnehmung sein. Fühlt sich der Klient bzw. die Klientin durch ihren momentanen Zustand nicht nur geringfügig belastet? Ist die Belastung unter Umständen so groß, dass sie zur Arbeitsunfähigkeit führt?

Für gewöhnlich lautet die Argumentation wie folgt: „Homosexualität“ ist keine Krankheit. Damit kann (und darf) sie nicht therapiert werden. Dies würde außerdem zu psychischen Störungen führen. Es gibt auch keine „Heilung“.

Diese ist aber beim Vorhandensein einer „Krankheit“ keineswegs notwendig. Allein die Möglichkeit einer Linderung – etwa des persönlichen Leidensdrucks – wäre ausreichend. Wer sich durch seine gleichgeschlechtlichen Neigungen nicht nur geringfügig belastet fühlt und eine Linderung des Leidensdrucks wünscht, würde also unter diese Kategorie fallen.

Die oft angeführten „psychischen Schäden“, die durch eine therapeutische Begleitung entstehen würden, sind bei näherem Hinsehen doch etwas anders zu bewerten: In den 15 Jahren, die mittlerweile vergangen sind, seitdem ich meine langjährige Zeit in der schwulen Szene beendet habe, durfte ich viele Menschen mit ungewollten gleichgeschlechtlichen Neigungen („Ex-Gays“) begleiten. Nicht eine/r davon trug dadurch psychische Schäden davon. Gleichwohl habe ich eine Menge meiner schwulen Freunde verloren, die an den Folgen ihres Lebenswandels gestorben sind – Drogen, ansteckende Geschlechtskrankheiten etc. Ein Blick auf die Statistiken des Robert-Koch Instituts bestätigt dies: ein verschwindend geringer Prozentsatz der Bevölkerung („Männer, die Sex mit Männern haben“) hat doch einen enorm hohen Anteil an eben diesen Geschlechtskrankheiten. „Safer Sex“ schützt beileibe nicht vor allem.



Wer meint, im Körper des falschen Geschlechts geboren worden zu sein, darunter leidet und die erforderlichen psychologischen Gutachten beibringt sowie zusätzliche Voraussetzungen erfüllt, darf gegebenenfalls eine „geschlechtsangleichende Operation“ vornehmen lassen. Hier werden also psychische Leiden „therapiert“, indem man gesunde Körper verstümmelt. Dieser offenbare Bruch des hippokratischen Eides scheint aber kaum jemanden zu stören. Wer aber für sich in Anspruch nimmt, unter seinen gleichgeschlechtlichen Neigungen zu leiden, dem soll eine therapeutische Unterstützung untersagt werden, weil hier ja keine „Krankheit“ vorliege, sondern „nur“ der subjektive Wunsch des Leidenden und dieser subjektive Wunsch zwangsweise zu psychischen Störungen führen muss? Ist nicht euer Ernst.



Robert Gollwitzer



www.jason-international.org

www.misererenobis.org

www.homosexuals-anonymous.com